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change Magazin – Das Magazin der Bertelsmann Stiftung

Stadt der Zukunft: Leben wir bald in einer urbanen Wildnis?

Blüten von Nelumbo Nucifera, auch bekannt als Lotos oder Seerose, im Shinobazu-Teich im Ueno-Park, Taito, Tokio, Japan, mit Blick auf Hochhäuser dahinter. DLKR – unsplash.com/license

So wünschen wir uns die Stadt von morgen

  • DLKR – unsplash.com/license
  • 14. März 2022

Mehr Natur, weniger Abfall und Verkehr, Wohnraum für alle: change wirft einen Blick auf die Stadt der Zukunft.

Wie stellst du dir die Stadt von morgen vor? Selbstfahrende Autos, die lautlos zwischen Wolkenkratzern umherfahren? Riesige Wohnblöcke, in denen Menschen in winzigen Apartments wohnen und ähnlich wie in Spike Jonzes Film „Her“ eine engere Beziehung zu ihren Sprachassistenzen führen als zu ihren Mitmenschen? Das ist ein Zukunftsszenario, das viele erwarten. Aber was wünschen sich die Menschen?

Die Zukunftsvisionen der Stadt sehen anders aus

Das Meinungsforschungsinstituts Kantar Public stellte im Auftrag der Bertelsmann Stiftung genau diese Frage: Wie erwünscht sind diese Zukunftsvisionen? Die Befragten sollten aus neun Stadtmodellen, die sich an den Nachhaltigkeitszielen der UN orientieren, das für sie wünschenswerteste wählen. Die meisten Teilnehmer:innen entschieden sich für das Modell „Urbane Wildnis“.
 


Urbane Wildnis in der Stadt beugt dem Artensterben vor und bringt gute Luft

Dieses Stadtmodell ist als Raum gedacht, in dem Natur und Stadt neben- und miteinander existieren. Tiere und Pflanzen haben in der urbanen Wildnis durch viele Grünflächen und bewaldete Areale genügend Orte zum Leben. So könnte nicht nur das Artensterben bekämpft werden, unsere Städte hätten auch eine bessere Luftqualität und würden widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel. Zudem wäre unser Leben viel entspannter, denn Natur wirkt stresslösend. Das können alle bestätigen, die nach einem anstrengenden Tag schon einmal einen Waldspaziergang gemacht haben.

Eine Pottwal-Schule taucht ab.

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Deutsche Großstädte heute: Beton, Autos und Smog

Dass es für uns noch ein weiter Weg ist, bis wir unsere Städte in eine „urbane Wildnis“ verwandelt haben, ist klar, wenn man Deutschlands Städte der Gegenwart betrachtet. Dort dominieren oftmals noch Beton, Autos und Smog. Trotzdem gibt es Menschen, die in kleinem Rahmen bereits daran arbeiten, mehr Wildnis und Natur in unsere Städte zu holen. Begrünte Dächer oder Stadtgartenprojekte erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, Arten- und Biotopvielfalt in Städten findet endlich Beachtung.

London ist die erste Nationalpark-Stadt der Welt

Breit angelegte Pläne, wie man mehr Natur in die Städte holen kann, werden außerhalb Deutschlands schon verwirklicht. So entwickelt beispielsweise der britische Geograf Daniel Raven-Ellison seit vielen Jahren Konzepte, wie man Städte in Nationalparks verwandeln kann. Denn nicht nur in einsamen Bergregionen, sondern auch in Städten gibt es komplexe Ökosysteme – mit Pflanzen und Tieren, die genauso wertvoll und schützenswert sind. Der Plan geht bereits auf: Seit 2019 ist London als eine der weltweit grünsten Städte die erste Nationalpark-Stadt des Planeten.
 


Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung: Die abfallfreie Stadt

Auf dem zweiten Platz der beliebtesten Stadtmodelle landete ein weiterer Vorschlag, der den ökologischen Nutzen in den Vordergrund stellt: die „Abfallfreie Stadt“. In diesem Modell geht es darum, die Abfallproduktion in Städten durch Kreislaufwirtschaft und wenig Verbrauch von Energie und Ressourcen so gering wie möglich zu halten. Schon heute verfolgen einige Städte den „Zero Waste“-Ansatz. Mehr als 400 Kommunen haben sich in dem Netzwerk „Zero Waste Europe“ zusammengeschlossen, darunter Kiel als erste Stadt Deutschlands. Das ehrgeizige Ziel der Hafenstadt: Bis 2035 will sie das Müllaufkommen halbieren.
 

Das Cover der Studie „Typisch Stadt, typisch Land?“

Typisch Stadt, typisch Land?

Wie verändern sich die Kommunen in Deutschland? Die Studie der Bertelsmann Stiftung „Typisch Stadt, typisch Land?“ analysiert die aktuelle Lage und zeigt Perspektiven für Kommunen im demografischen Wandel auf. Hier geht es zur kostenlosen Leseprobe.


Platz 3 der beliebtesten Stadtmodelle: „Wohnraum für alle“

Neben Umweltaspekten lag den Studienteilnehmer:innen ein weiteres Thema am Herzen: verfügbarer, angemessener und bezahlbarer Wohnraum für alle. Dieses Modell wählten die Studienteilnehmer:innen auf Platz 3. Die hohen Wohnkosten in Deutschland werden für viele Mieter:innen zu einem großen Problem. Über eine Million Menschen in Deutschland haben nach Abzug der Miete weniger Geld zum Leben übrig als das Existenzminimum.

Das Foto zeigt eine junge Frau bei Tageslicht auf der Straße, der Hintergrund ist unscharf, aber man erahnt eine Kreuzung mit einer grünen Ampel in der Ferne. Die Frau hält ein Smartphone in der rechten Hand, ihre linke Hand umgreift den Lenker eines E-Rollers, auf dem sie steht.

Gehören Autos bald auf den Müllhaufen der Geschichte?


Umwelt, Klima und Energie sind besonders jungen Menschen wichtig

Die Studienergebnisse geben vor allem Anlass zur Hoffnung, dass uns die Umwelt doch nicht so egal ist, wie es oft scheint. Besonders bei den befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 27 Jahren waren Themen wie Klima, Umwelt und Energie wichtig bei der Entscheidungsfindung für eine Stadtvision. In dieser Altersgruppe landete das Modell „Autofreie Stadt“ sogar auf dem ersten Platz. Werden Autos in Innenstädten also vielleicht bald Geschichte sein und Nationalpark-Städte unsere neue Realität?

Mit dem Projekt „Agenda 2030 - Nachhaltige Entwicklung vor Ort“ unterstützt die Bertelsmann Stiftung Kommunen dabei, nachhaltiger zu werden. Umweltfreundlichkeit und Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel spielen dabei eine große Rolle.