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change Magazin – Das Magazin der Bertelsmann Stiftung

CO2-Preis einfach erklärt | Strategien gegen den Klimawandel

Rauch steigt aus einem Schornstein einer Ölraffinerie
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Marek Piwnicki – unsplash.com/license

Darum geht’s beim CO2-Preis

  • Marek Piwnicki – unsplash.com/license
  • 25. August 2021

Mit den konkreten Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels beschäftigst du dich lieber nicht so genau, weil sie in deinem Kopf zu einem wirren Kuddelmuddel aus langweiligem Bürokratiejargon werden? change hat für dich zusammengefasst, worum es beim CO2-Preis geht – garantiert nur ein bisschen trocken.

Obwohl Europa und besonders Deutschland in einer gemäßigten Klimazone liegen, ist durch Hitzesommer, schwere Überflutungen und steigende Meeresspiegel an der Ost- und Nordseeküste klar geworden: Der Klimawandel ist kein Mythos, den sich besorgte Ökos ausgedacht haben, er macht sich auch hier bemerkbar, und die Folgen werden wir zunehmend stärker zu spüren bekommen.
 

Während der Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland eher rückläufig ist, geht der weltweite Ausstoß des Klima-Anheizers in die Höhe. Wie viele Milliarden Tonnen wurden 2019 ausgestoßen?

0 Milliarden Tonnen
100 Milliarden Tonnen

Das sind 36.400 Millionen – oder ausgeschrieben 36.400.000.000 – Tonnen.

Quelle: Statista

Neben Kohlendioxid gibt es noch weitere Treibhausgase, die durch menschliche Aktivitäten ausgestoßen werden: Methan, Lachgas und die sogenannten F-Gase, also fluorierte Treibhausgase. Welchen Anteil hat allein Kohlendioxid an der globalen Erderwärmung?

0 Prozent
100 Prozent

Im internationalen Schnitt verursacht ein Mensch einen Ausstoß von ungefähr fünf Tonnen Kohlendioxid im Jahr. Wie hoch ist dieser Wert in Deutschland?

0 Tonnen
100 Tonnen

Bäume entziehen für das Holzwachstum der Atmosphäre Kohlendioxid und wandeln dieses in Kohlenstoff um. Wie viele Tonnen Kohlendioxid nimmt eine Fichte über 100 Jahre auf?

Unsere Studien und Publikationen zum Thema

CO2-Bepreisung

Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter so sehr wie der Preis für Benzin und Diesel. Ein paar Cent mehr an der Tankstelle – schon ist die…

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1. Auflage 2021
12 Seiten (PDF)

In 2-3 Tagen lieferbar

CO2-Bepreisung

Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter so sehr wie der Preis für Benzin und Diesel. Ein paar Cent mehr an der Tankstelle – schon ist die Aufregung groß und ein neues Wahlkampfthema gefunden. Grund für die höheren Kosten sind die immer stärker steigenden CO2-Preise, die auf die immer größeren klimapolitischen Ambitionen vieler Staaten und der EU zurückgehen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung modelliert, wie sich ein um weitere 50 Dollar erhöhter Preis pro Tonne Kohlendioxid auf den CO2-Ausstoß weltweit auswirken würde und welche Einkommenseffekte sich daraus langfristig in verschiedenen Staaten ergeben würden.

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Dass CO2 das Klima verändert, ist schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt

Das langsame Tempo beim Kampf gegen den Klimawandel erstaunt umso mehr, wenn man bedenkt, wie lange die klimaändernden Eigenschaften von Kohlenstoffdioxid bekannt sind. Nicht erst seitdem Greta Thunberg im Jahr 2018 mit den Klimastreiks begonnen hat, sondern schon Mitte des 19. Jahrhunderts fanden Forscher:innen heraus, dass der mit der Industrialisierung einhergehende CO2-Ausstoß das Klima verändert.
 


Der Klimaschutzplan 2050: Besser spät als nie

Nach langen Überlegungen hat sich die deutsche Regierung im Jahr 2016 dazu aufgerafft, den Klimaschutzplan 2050 zu verabschieden. In diesem Jahr nochmals verschärft, will die Bundesregierung mit diesem angepassten Plan bis zum Jahr 2045 Treibhausgasneutralität erreichen, so wie es im Pariser Klimaabkommen vereinbart wurde. Treibhausgasneutralität bedeutet, dass nur so viel Treibhausgas ausgestoßen werden darf, wie durch Bäume und Wälder gebunden werden kann. Denn nur so kann der Treibhauseffekt, also die stetige Erwärmung der Erdatmosphäre, die die Menschheit durch übermäßigen CO2-Ausstoß und die gleichzeitige Rodung gigantischer Waldflächen ausgelöst hat, gestoppt werden. Eine Maßnahme des Klimaschutzplans 2050 ist der sogenannte CO2-Preis, der wiederum im Klimaschutzgesetz 2019 festgeschrieben wurde. Das ist übrigens das erste Klimaschutzgesetz, das jemals auf Bundesebene erlassen wurde.
 

Anzeigetafel: End Climate Injustice

Klimakrise: Warum wir jetzt schnell und radikal handeln müssen – und wie


Emissionszertifikate: Aufpreis auf fossile Brennstoffe

Als konkrete Maßnahme ist der CO2-Preis bereits 2005 EU-weit in Kraft getreten, gilt aber nur für ausgewählte Bereiche wie die Strom- und Wärmeerzeugung oder die Luftfahrt. Seit Januar 2021 geht Deutschland noch einen Schritt weiter und erhebt den Aufpreis auch für klimaschädliche fossile Brennstoffe wie Heizöl, Erdgas, Benzin oder Diesel. Unternehmen, die mit diesen fossilen Brennstoffen handeln, müssen ein sogenanntes Emissionszertifikat erwerben. Dahinter steckt der Gedanke, dass der Aufpreis die Umweltschäden, die durch das ausgestoßene CO2 entstehen, kompensiert. Diese höheren Kosten geben die Firmen dann zumindest teilweise an die Verbraucher:innen weiter.
 


CO2-Zertifikate sollen immer teurer werden

Auf lange Sicht ist geplant, den CO2-Preis schrittweise ansteigen zu lassen – die umweltschädlichen fossilen Brennstoffe werden so immer teurer, beispielsweise beim Fahren mit benzinbetriebenen Autos. Im Gegenzug sollen die Preise bei klimafreundlichen Transportmitteln wie Zügen oder Elektroautos sinken. Die Einnahmen aus den immer teurer werdenden CO2-Zertifikaten sollen in Form eines Kreislaufs dann wieder zurück an die Bürger:innen gehen, indem sie in grüne Energiequellen wie zum Beispiel Wind- und Wasserkraft oder Solarenergie investiert werden.
 

Eine blaue Mülltonne, auf die das Recyclingsymbol gedruckt ist, drei ineinander übergehende Pfeile, die den Verwertungskreislauf widerspiegeln sollen

Was bringt Recycling wirklich?


CO2-Preis als Nachteil für den internationalen Wettbewerb?

Auf den ersten Blick scheint die CO2-Bepreisung ein sinnvoller Schritt zu sein, um die Treibhausgasemissionen zu verringern. Eine Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hat allerdings ergeben, dass ein nur in der EU um 50 US-Dollar angehobener CO2-Preis auf lange Sicht den globalen Treibhausgasausstoß nur um 2,5 Prozent reduzieren würde. Durch die erhöhten CO2-Preise in der EU und in Deutschland würden sich die Emissionen in Länder verlagern, die keinen CO2-Preis verlangen. Außerdem würden die Staaten der EU dadurch weniger wettbewerbsfähig werden.
 

Das Cover des Buches "CO2 zum Nulltarif?" der Bertelsmann Stiftung

Warum müssen Treibhausgasemissionen einen Preis haben?

Hast du dich schon immer gefragt, wie Umwelt- und Wirtschaftspolitik zusammengehen? Die Publikation „CO2 zum Nulltarif?“ ist eine Einführung in die volkswirtschaftlichen Aspekte des Klimawandels. Alle Begriffe und Konzepte werden leicht verständlich erklärt, du brauchst keine Vorkenntnisse in Wirtschaftswissenschaften. Schau doch mal in die Leseprobe!


Um CO2-Neutralität zu erreichen, braucht es globale Lösungen

Für Treibhausgasneutralität macht es daher wenig Sinn, wenn sich einzelne Staaten ehrgeizige Klimaziele setzen, andere Staaten den Klimawandel jedoch weiterhin nicht beachten oder gar leugnen und sich Treibhausgasemissionen so einfach verlagern. Wenn der Klimawandel wirksam bekämpft werden soll, braucht es globale Lösungen. Die oben erwähnte Studie zur CO2-Bepreisung zeigt nämlich auch: Wenn alle Staaten ihre CO2-Preise um 50 US-Dollar erhöhen würden, könnten weltweit 38,6 Prozent Emissionen eingespart werden. Deshalb ist es wichtig, dass im Kampf gegen den Klimawandel die internationale Staatengemeinschaft an einem Strang zieht. Ein globaler CO2-Preis wäre ein wichtiger Schritt.

Wirtschaftlicher Erfolg sollte Hand in Hand mit sozialer und ökologischer Verbesserung gehen. Das Projekt „Global Economic Dynamics“ der Bertelsmann Stiftung untersucht diese Dynamik.