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change Magazin – Das Magazin der Bertelsmann Stiftung

Ehrenamt finden und glücklich werden: Freiwilliges Engagement

Menschen stehen im Kreis zusammen und geben High-Fives DisobeyArt – stock.adobe.com

Diese Arbeit ist unbezahlt – und unbezahlbar

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  • 09. September 2021

Mehr als 31 Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich, ganz ohne Bezahlung, in ihrer Freizeit. Bist du einer von ihnen? Wenn nein, dann lies unbedingt weiter! Denn change verrät dir, warum freiwilliges Engagement glücklich macht, in welchen Bereichen du dich einbringen kannst – und wie du das Ehrenamt findest, das am besten zu dir passt.

Erwischst du dich auch oft dabei, wie du zuerst deinen persönlichen Zielen nachjagst? Dem nächsten Bildungsabschluss, einem spannenden Job oder einer neuen Beziehung? In unserer stark individualisierten Gesellschaft ist das an der Tagesordnung. Dabei verlieren wir aus den Augen, wie wichtig Gemeinschaft, Gemeinwohl und gegenseitige Unterstützung für andere Menschen und uns selbst sind. Deshalb engagieren sich Millionen Menschen in Deutschland ehrenamtlich und geben damit nicht nur sich, sondern auch anderen Halt. Doch wie findest du das richtige Ehrenamt für dich?

Ein Ehrenamt kann deinem Leben mehr Sinn geben

Du kennst es aus deinem Bürojob, der Schule oder der Uni: Manchmal beschleicht dich das Gefühl, dass das, was du gerade tust, weder Spaß macht noch Sinn ergibt, ja nicht einmal sichtbar von Erfolg gekrönt ist. Im Gegensatz dazu siehst du bei ehrenamtlichen Tätigkeiten oft sofort, was du mit der eigenen Arbeit bewirkst und verändern kannst. Ob im Sportverein, im lokalen Gartenprojekt, in der Flüchtlingshilfe, der Feuerwehr, beim Nachhilfeunterricht oder in der Kirche: Durch ein Ehrenamt kannst du deinem Leben mehr Sinn geben und gleichzeitig dein Selbstwertgefühl steigern. Eine einfache Gleichung, denn wer sich selbst schätzt und wertvoll fühlt, ist automatisch glücklicher.
 

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Ehrenamtler:innen brauchen mehr als nur guten Willen

Bevor du dich für ein Ehrenamt entscheidest, solltest du aber in dich gehen und dich fragen, ob du die Zeit dafür aufbringen kannst – und willst. Gerade in sozialen Bereichen ist es wichtig, dass du dir pro Woche regelmäßig einige Stunden freihalten kannst. Wenn du dich beispielsweise für Kinder oder Senior:innen engagierst, solltet ihr eine vertrauensvolle Beziehung zueinander aufbauen können. Das funktioniert nur, wenn ihr euch regelmäßig seht und ein Gefühl von Verlässlichkeit entsteht. Es zählt also nicht nur der gute Wille, sondern auch die Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen und auf andere Menschen einzulassen.

Es gibt aber auch Ehrenamtliche, die nur zu bestimmten Anlässen zum Einsatz kommen, so wie Wahlhelfer:innen. Dafür braucht es aber auch eine ganze Menge von ihnen: Bei der Bundestagswahl am 26. September 2021 wurden beispielsweise über 650.000 Wahlhelfer:innen gebraucht.
 


Worüber solltest du dir klar werden, bevor du ein Ehrenamt ausfüllst?

Wenn du bis hierhin gelesen hast und denkst, dass ein Ehrenamt eine gute Idee für dich ist, solltest du dir drei wichtige Fragen stellen:

1. Wofür brenne ich? Aber wirklich.
Magst du es, neue Menschen kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen? Bist du gerne körperlich aktiv oder liegt dir vielleicht der Umweltschutz besonders am Herzen? Ein freiwilliges Engagement sollte keine zusätzliche unangenehme Pflicht sein, zu der du dich nur widerwillig aufraffen kannst, sondern es soll dir Freude bringen. Nur so kannst du dich und andere Menschen damit bereichern.

2. Wie viel Zeit habe ich? Und zwar ehrlich.
Sei realistisch und finde heraus, wie viel Zeit dir neben Verpflichtungen wie Schule, Freund:innen, Arbeit oder Uni noch für ein Ehrenamt bleibt. Am Anfang lässt man sich manchmal von der eigenen Euphorie überrollen, nimmt sich zu viel vor und lässt das Engagement dann schleifen. Das nützt niemandem. Wie viel Zeit ein Ehrenamt braucht, ist je nach Tätigkeit unterschiedlich. Wichtig ist, dass du mit den Verantwortlichen deines künftigen Ehrenamtes offen darüber redest, wie stark du dich einbringen kannst.
 

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3. Wo hole ich mir Input? Aber richtig.
Wenn du dir darüber klar geworden bist, wie viel Zeit du hast und was dich interessiert, kannst du beginnen, dich über konkrete Möglichkeiten und Einsatzfelder zu informieren. Vereinbare ein Beratungsgespräch bei der Freiwilligenagentur in deiner Stadt, schau nach in der Freiwilligendatenbank der Aktion Mensch oder auf der Engagementplattform Vostel. Dort findest du auch spontane Möglichkeiten zum freiwilligen Engagement wie zum Beispiel Aufräumaktionen. Einen guten Überblick über Ehrenamt-Portale bietet auch die Website ehrenamt.bund.de.
 


Dann mal los!

Wenn du etwas Passendes gefunden hast, steht deinem freiwilligen Engagement nichts mehr im Wege – außer einem erweiterten Führungszeugnis, das du für manche Einsatzbereiche (beispielsweise bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen) brauchst und einfach online beantragen kannst.

Zum Schluss noch ein Appetitmacher für karrierebewusste Menschen: Ein Ehrenamt tut nicht nur deinem Selbstwertgefühl und deinen Mitmenschen gut, sondern kann auch das Sahnehäubchen auf deinem Lebenslauf sein. So sehen Arbeitgeber:innen, dass du Gemeinschaftssinn und Verantwortungsbewusstsein hast. Worauf wartest du noch?

Engagement für die Gemeinschaft stärkt unsere Gesellschaft. Mit dem Projekt „Engagierte Stadt“ möchte die Bertelsmann Stiftung bessere Möglichkeiten für soziales Engagement schaffen. In Kooperation mit der Bundesregierung testet ein Stiftungskonsortium dabei nachhaltige Wege der Engagementförderung.