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Welche Ausbildung passt zu mir? Welches Studium ist das richtige?

Eine junge Frau hält Bücher in den Händen. Element5 Digital - unsplash.com/license

Tipps zur Berufs- und Studienwahl: In sieben Schritten zum Ergebnis

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  • 15. April 2021

Die meisten Menschen verbringen den Großteil des Lebens mit ihrem Job. Damit man diese Zeit nicht nur zum Geldverdienen nutzt, sondern auch Freude daran hat, sollte man gut nachdenken, bevor man eine Richtung einschlägt. Dabei gibt es einiges zu beachten.

Ausbildung und Studium in Zeiten von Corona stellen viele junge Menschen vor große Fragen: Welcher Beruf passt überhaupt zu mir? Welche Chancen habe ich später auf dem Arbeitsmarkt? Finde ich den richtigen Studienplatz oder einen Ausbildungsplatz in meinem Wunschberuf? Gerade was die Ausbildung angeht, sind viele verunsichert. Gibt es genügend Ausbildungsplätze? Damit zumindest die Orientierung leichter fällt, haben wir von change sieben Tipps zur Berufs- und Studienwahl zusammengestellt.

1. Selbstreflexion: Wo liegen meine Stärken?

Wenn man vor der Berufs- oder Studienwahl steht, sollte man sich zuerst fragen: Womit verbringe ich gerne meine Zeit, was interessiert mich, macht mir Spaß, und wo liegen meine Talente? Schließlich fühlen sich die Tage deutlich kürzer an, wenn man sie mit etwas verbringt, das man gerne tut. Wenn diese Überlegungen zu einer möglichen Berufsidee geführt haben, ist ein Realitätscheck ratsam: Liegt der Job, für den ich mich entschieden habe, im Bereich meiner Möglichkeiten? Als zukünftige:r Handwerker:in sollte man keine zwei linken Hände haben, und Pilot:innen brauchen gute Augen. Tausche dich dazu auch mit Familie und Freund:innen aus. Sie haben darauf manchmal eine objektivere Sicht.
 


2. Berufseignungstest: Passt der Job zu mir?

Du weißt ungefähr, wohin du willst? Oder hast du überhaupt keinen Plan? In beiden Fällen ist ein Berufseignungstest eine gute Idee. Er kann helfen, Wünsche zu konkretisieren oder Ideen zu geben, auf die du noch gar nicht gekommen bist. Dafür gibt es vielfältige Angebote, von allgemein gehaltenen Tests, wie zum Beispiel dem der Bundesagentur für Arbeit, bis hin zu spezialisierten Tests, die etwa medizinisches (Vor-)Wissen abrufen oder die Eignung für soziale Berufe einschätzen.
 

isch auf dem Laptops, externe Festplatten, Schreibutensilien, Snacks und Tee stehen

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3. Termin zur Berufsberatung vereinbaren: Hilfe von Expert:innen  

Manchmal ist es gut, wenn man eine wichtige Entscheidung mit einer außenstehenden Person bespricht. Wer in einem persönlichen Gespräch mit Expert:innen die Berufswahl besprechen will, findet auch hierfür zahlreiche Angebote. Die Bundesagentur für Arbeit bietet kostenlose Beratungsgespräche an. Außerdem gibt es verschiedene Coaches und Berufsberater:innen, die (gegen Geld) private Konsultationen anbieten.
 


4. Ausbildungs- und Berufsmessen: Herausfinden, was es noch so gibt

Viele Angebote an einem Ort und dazu die Möglichkeit, mit den zukünftigen Arbeitgeber:innen direkt ins Gespräch zu kommen: Messen zur Berufsorientierung waren früher ein buntes Treiben, heute finden sie online statt. So oder so lohnt es sich vorbeizuschauen, wenn Hochschulen und Unternehmen Studiengänge und Ausbildungsmöglichkeiten vorstellen. Infos und Anmeldemöglichkeiten findet man beispielsweise auf stuzubi.de. Auch das Bildungsministerium bietet zahlreiche Programme und Tagungen zu beruflicher Orientierung an.
 

Eine Frau lacht und blickt zur Seite.

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5. Virtuelle Orientierungs- und Schnuppertage an Hochschulen: Wie sieht der Unialltag aus?

Uniluft schnuppern geht gerade nur online. Sogenannte Orientierungstage werden von den meisten Hochschulen ein- bis zweimal im Jahr angeboten. Hier bekommt man die Möglichkeit, die Studienfächer kennenzulernen und sich mit Lehrenden und Studierenden auszutauschen – und sie mit Fragen zu löchern. Eine Übersicht über die Veranstaltungen, die in den nächsten Monaten stattfinden werden, gibt es auf studienwahl.de. Neben den Schnuppertagen kann man sich auch durch eigene Recherchen über Studieninhalte informieren. Das geht zum Beispiel über einen Blick ins Vorlesungsverzeichnis auf der Website der Hochschule oder über Vorlesungsvideos auf YouTube.
 


6. Orientierungstage in Unternehmen: Wie ist das Betriebsklima?

Ähnlich wie Universitäten bieten auch einige (hauptsächlich große) Firmen virtuelle Orientierungstage an. In Livestreams oder auf Instagram bekommst du Einblicke in den Betrieb, kannst Fragen stellen und dir mit einem ersten guten Eindruck schon mal den Termin zum Vorstellungsgespräch sichern.
 


7. Praktikum: Erste Berufserfahrung sammeln

Praktika genießen nicht den besten Ruf: Trotz 40-Stunden-Woche ist die Bezahlung meist so mies, dass sich nur diejenigen ein Praktikum leisten können, die zusätzlich finanzielle Unterstützung bekommen oder an den Wochenenden jobben. Letzteres kann ganz schön stressig werden. Trotzdem ist es gut, in dem Bereich, in dem man später arbeiten möchte, zumindest ein kurzes Praktikum zu absolvieren. So findest du am schnellsten heraus, ob dir der Job wirklich gefällt. Wenn du danach keine Lust mehr auf die Branche hast, kannst du einfach eine neue Richtung einschlagen. So verlierst du weniger Zeit, als wenn dir nach jahrelanger Berufsausbildung plötzlich dämmert, dass die Entscheidung wohl doch nicht so clever war. Vor allem Klein-, Mittelstands- und Handwerksbetriebe bieten trotz Corona weiterhin Stellen an. Viele Praktika lassen sich mittlerweile auch vom Homeoffice aus machen. Wer sich für den Gesundheitssektor interessiert, dürfte zwar momentan in Krankenhäusern wenig Glück haben, allerdings gibt es bei Fachärzt:innen und in Privatkliniken immer wieder Plätze.

Berufsorientierung – das ist auch im Projekt „Chance Ausbildung“ der Bertelsmann Stiftung ein wichtiges Thema. Und das seit vielen Jahren: Den „Leitfaden Berufsorientierung –Praxishandbuch zur qualitätszentrierten Berufs- und Studienorientierung an Schulen“ gibt es bereits in der 9. Auflage. Die Bertelsmann Stiftung tritt auch dafür ein, dass jede:r einen Berufsabschluss machen kann, und fordert eine Ausbildungsgarantie.