Selbstoptimierung oder Selbstgefährdung? Das steckt hinter den Maxxing-Trends
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Looksmaxxing, Tanmaxxing, Sleepmaxxing: Trends zur Selbstoptimierung gehören auf Instagram und TikTok inzwischen dazu. change versucht sich im Trendmaxxing und findet heraus, wann das Maximum erreicht ist und wie du deine eigenen Grenzen setzt.
Alle 18 Minuten tippen wir im Schnitt auf unser Handy, also etwa 53-mal pro Tag. Dabei gehören zu den meistgenutzten Apps auch Instagram und TikTok. Und wer auf Social Media unterwegs ist, der kommt an Maxxing-Trends kaum vorbei. Schließlich gibt es überall etwas, was wir verbessern können. Oder nicht?
Looksmaxxing: Maximaler Einsatz für maximale Optik
Looksmaxxing setzt alles auf eine Karte: das Aussehen. Der wohl bekannteste Maxxing-Trend richtet sich vor allem an junge Männer. Wer ins Looksmaxxing einsteigt, beginnt soft und bekommt Tipps zu Fitness, Bartpflege, der perfekten Frisur oder Kleidung (Softmaxxing). Doch ein paar Minuten Scrollen später öffnet sich die Welt des Hardmaxxing, und die Empfehlungen heißen dann: Bone Smashing, Steroide und Schönheits-OP.
Kieferknochen brechen für maskulines Aussehen
Beim Bone Smashing beispielsweise geht es darum, das Gesicht mit gezielten Schlägen auf die Kiefer- und Wangenknochen kantiger erscheinen zu lassen. Dafür wird teilweise ein Hammer empfohlen. Wem das dann doch eine Nummer zu hart ist, der nimmt die eigenen Fäuste. Im Anschluss an die Prozedur kann man seine Männlichkeit online auf einer Skala von 1 bis 10 von diversen Influencer:innen bewerten lassen. Das höchste Level erreicht man als „Chad“, das ist der vermeintliche Prototyp der Männlichkeit. Medizinisch ist der Trend hochriskant, statt das Knochenwachstum gezielt zu verändern, drohen Knochenbrüche, Nervenschäden, chronische Schmerzen, Zahnfehlstellungen oder bleibende Gesichtsverletzungen. Das Looksmaxxing beschränkt sich insgesamt auf rein äußerliche Faktoren und verstärkt dabei massiv Stereotype von (jungen) Männern.
Mein Körper, meine … Baustelle?
Nicht alles am Looksmaxxing ist automatisch problematisch. Regelmäßig Sport zu treiben, auf die Körperpflege zu achten, eine passende Frisur zu finden oder einen eigenen Kleidungsstil zu entwickeln, kann das Wohlbefinden stärken und der Gesundheit guttun. Schwierig wird es jedoch, wenn aus Selbstfürsorge ein ständiger Zwang zur Selbstoptimierung entsteht. Wer den eigenen Körper nur noch als Baustelle betrachtet, findet immer neue vermeintliche Makel – und läuft Gefahr, trotz aller Veränderungen zunehmend unzufrieden mit sich selbst zu werden. Entscheidend ist deshalb nicht nur, was jemand an sich verändert, sondern auch, warum und mit welchem Maß.
Tanmaxxing: UV-Strahlung, bis es nicht mehr geht
Je gebräunter, desto besser? Das ist so, wenn wir dem Tanmaxxing- oder auch Sunmaxxing-Trend glauben wollen. Sonnengebräunte Haut gilt hier als Schönheitsideal, je stärker und schneller, desto besser. Storys und Reels raten von Sonnencreme ab, um möglichst schnell das Ziel von maximal gebräunter Haut zu erreichen. Sonnenschutz störe den Hormonhaushalt und enthalte giftige Stoffe, die für den Menschen schädlich seien. Mit solchen oder ähnlichen Falschaussagen wird auf TikTok und Instagram für das Tanmaxxing geworben.
Hautkrebs ist kein Vibe
Doch Fakt ist: Legst du dich ungeschützt, also ohne Sonnencreme oder UV-Kleidung, in die Sonne oder regelmäßig ins Solarium, dann ist das Risiko hoch. Denn die UVA- und UVB-Strahlen schädigen langfristig die Haut, schwächen dein Immunsystem und führen oft zu Hautkrebs.
Sleepmaxxing: Je mehr Schlaf, desto besser?
Schlaf ist wichtig, damit wir uns den Tag über wohlfühlen. Ausreichend Schlaf sorgt außerdem dafür, dass wir konzentriert durch Schule, Studium oder Arbeit kommen, und senkt beim Sport das Verletzungsrisiko. Die perfekte Schlafdauer ist dabei je nach Alter und Lebensumständen unterschiedlich. Bei Erwachsenen kannst du dich an sieben bis neun Stunden Schlaf orientieren. Ist Sleepmaxxing also einer von den guten Trends?
Was brauche ich für guten Schlaf?
Beim Sleepmaxxing begegnest du in den sozialen Kanälen schnell diversen Hilfsmitteln und Übungen wie Mouth Taping oder Neck Swinging. Beim Mouth Taping wird vor dem Schlafengehen der Mund mit Klebeband oder einem Pflaster verschlossen, das soll die Nasenatmung fördern und Schnarchen verhindern. Neck Swinging erfordert noch mehr Einsatz: Hier schwingt man mit dem ganzen Körper umher, aufgehängt an gepolsterten Gurten unter Kinn und Nacken. Dabei braucht es für guten Schlaf keine Hilfsmittel. Je mehr Optimierung betrieben wird, desto gestresster sind wir – und das hält uns von gutem Schlaf eher ab.
Lifemaxxing: Dein Leben in Perfektion
Lifemaxxing scheint bei all den Einzeltrends die Antwort für das perfekte Leben zu sein. Schließlich kannst du überall besser werden: von Longevity über Biohacking bis hin zum finanziellen Erfolg dank Financemaxxing und der perfekten Ballaststoffaufnahme mit Fibremaxxing. Lifemaxxing hält für jede Lebenslage den perfekten Plan für dich bereit. Was kann da schon schiefgehen?
Was macht Maxxing mit mir?
Tatsächlich haben alle Maxxing-Trends eins gemeinsam: Sie zielen auf schnelle, extreme und überwiegend äußerliche Veränderungen ab. Die Botschaften sind so simpel wie (teilweise) gefährlich und erreichen junge Menschen oft in einer Phase der Unsicherheit. Die Trends versprechen einfache Antworten in einer komplizierten Welt.
Maximaler Perspektivwechsel
Klimakrise, Kriege, Arbeitslosigkeit – in deinem Alltag begegnen dir viele Dinge, die du nicht so einfach lösen kannst. Es kann vorkommen, dass du dich mit diesen Problemen alleingelassen oder überfordert fühlst. In einer repräsentativen Umfrage der Bertelsmann Stiftung zum Thema Einsamkeit geben 46 Prozent der 16- bis 30-Jährigen an, dass sie sich moderat oder stark einsam fühlen. Wie schön wäre jetzt eine schnelle Lösung für all diese Probleme? Einfach an ein paar Regeln halten und das Leben optimieren, dann passt auch der Rest. So einfach ist es aber im Alltag oft nicht. In diesen Phasen hilft es, sich selbst zu fragen, was einen innerlich wirklich beschäftigt, und Unterstützung von anderen anzunehmen, wo wir selbst nicht weiterkommen.
Grenzen setzen und Trends als Inspiration nutzen
Maxxing-Trends zeigen, wie schmal der Grat zwischen Selbstoptimierung und Selbstzweifeln sein kann. Sie können dazu motivieren, neue Gewohnheiten auszuprobieren oder sich intensiver mit der eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen, gleichzeitig verstärken sie oft den Druck, ständig an sich arbeiten zu müssen. Gerade in einer Zeit, in der soziale Medien den Alltag vieler junger Menschen prägen, lohnt es sich, solche Trends kritisch zu hinterfragen. Denn am Ende geht es nicht darum, einem perfekten Ideal zu entsprechen, sondern einen Umgang mit sich selbst zu finden, der dir langfristig guttut.
Mit dem Jahresthema „Zukunft stiften“ beschäftigt sich die Bertelsmann Stiftung in verschiedenen Studien und Formaten mit dem Thema Zukunft. Dabei geht es auch darum, wie junge Menschen den Spagat zwischen Ohnmacht und Aufbruch schaffen. Auf der Themenseite der Stiftung findest du Hintergründe und aktuelle Projekte.






