Diese 10 Dinge über Sachsen werden dich überraschen
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Ilia Bronskiy - unsplash.com
- 06. März 2026
Über Sachsen gibt es im Rest der Bundesrepublik viele Vorurteile. Höchste Zeit, einmal genauer hinzuschauen, denn Sachsen hat mehr zu bieten als lahme Klischees. Auf change erfährst du, was das Bundesland besonders macht.
Hast du schon von Görliwood oder dem „Silicon Saxony“ gehört? Und weißt du, welches Bundesland im Bildungssystem-Ranking seit Jahren auf dem ersten Platz liegt? Falls nicht, lies jetzt weiter und lass dich von unseren faszinierenden Fakten über Sachsen überraschen!
1. Der Briefkasten im Cospudener See
Stell dir vor, du paddelst an einem warmen Sommertag entspannt über einen See und plötzlich ragt vor dir ein gelber Briefkasten aus dem Wasser. Was sich wie eine surreale Traumszene anhört, kann dir am Cospudener See in der Nähe von Leipzig tatsächlich passieren. Hier steht nämlich mitten im Badesee ein Briefkasten, der in der Sommersaison einmal wöchentlich per Boot geleert wird. Zu DDR-Zeiten entstand hier ein Braunkohlerevier, für das das Dorf Cospuden weichen musste. Nach der Wende wurde das Braunkohlerevier geschlossen, das Gebiet wurde geflutet und in einen Freizeitort verwandelt. Der Briefkasten im See kann deshalb auch als Symbol für die Erinnerung an das ehemalige Dorf und die Entwicklung Sachsens gesehen werden. Aus einer Bergbaulandschaft wird ein Freizeitort. Die Region schafft neue Perspektiven, ohne ihre Geschichte zu vergessen.
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Ich liebe den Sommer in Sachsen: Flüsse, Seen, Wiesen und Berge – nur kurz um die Ecke spazieren und schon ist man im Grünen und in schöner Natur. Was ich noch mag: Die Leute hier sind unprätentiös. Da wird nicht lange geredet, sondern einfach angepackt. Nachbar:innen und Freund:innen sind immer hilfsbereit und man muss nicht lange bitten. Sich gegenseitig zu unterstützen, ist eine Selbstverständlichkeit und überschwänglicher Dank dafür ist dann fast schon unangenehm.
- Daniela K. aus Dresden
2. Sachsen führt das deutsche Bildungsranking an
Sachsen erreicht seit Jahren Spitzenplätze in bundesweiten Bildungsstudien. Besonders die gute Ganztagsbetreuung in Sachsen setzt laut dem Bildungsranking von 2025 Standards. Schulen legen außerdem Wert auf solide Grundlagen in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesekompetenzen. Das Bildungssystem sieht sich jedoch auch mit Herausforderungen konfrontiert, denn Lehrkräftemangel, Digitalisierung und soziale Ungleichheit fordern neue Konzepte. Dennoch zeigt der Vergleich: In Sachsen gelingt es, ein hohes Bildungsniveau flächendeckend umzusetzen. Für viele junge Menschen ist diese Bildungsqualität ein wichtiger Standortfaktor. Wer hier aufwächst, profitiert von stabilen Strukturen und guten Abschlusschancen.
3. Freeclimbing hat seinen Ursprung in der Sächsische Schweiz
Das Elbsandsteingebirge südöstlich von Dresden gilt als die Wiege des modernen Freeclimbings. Bereits im 19. Jahrhundert entwickelten Kletterer hier eigene Regeln. Sie verzichteten auf künstliche Hilfsmittel und nutzten lediglich das natürliche Gestein sowie einfachste Hilfsmittel, um die Felsen zu bezwingen. Inzwischen hat sich daraus eine angesehene Sportart entwickelt, und die bizarren Sandsteinfelsen in der Sächsischen Schweiz locken jedes Jahr Tausende Sportler:innen an. Gleichzeitig schützt ein strenges Regelwerk die empfindliche Natur, denn Klettern und Naturschutz gehen in Sachsen Hand in Hand.
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Was ich an Sachsen mag, ist, dass es das einzige Bundesland in Deutschland ist, das an Polen und Tschechien grenzt. Das ist ziemlich cool, weil man super schnell im Ausland ist. In Görlitz gibt es zum Beispiel eine deutsche und eine polnische Seite (Zgorzelec).
- Alicia P. aus Dresden
4. Willkommen in Görliwood an der Neiße
Was haben Hollywood-Streifen wie „Inglourious Basterds“, „Grand Budapest Hotel“, „Der Vorleser“ oder „Cloud Atlas“ gemeinsam? Sie alle und noch viele weitere Filme wurden teilweise in Sachsen gedreht. Genauer gesagt in Görlitz, denn die Stadt an der Neiße besitzt eine der am besten erhaltenen Altstädte Deutschlands. Produzent:innen aus aller Welt nutzen sie als Kulisse, was Görlitz den Spitznamen „Görliwood“ eingebracht hat.
5. Humor hat Tradition: Die Lachmesse in Leipzig
Lust, mal wieder so richtig zu lachen? Wie wäre es mit einem Trip zur Lachmesse nach Leipzig? Jedes Jahr im Oktober versammelt sich hier die internationale Humor- und Satireszene und bringt Kabarettist:innen, Comedians und Autor:innen auf die Bühne. Die Veranstaltung entstand kurz nach der Wende und bot damals ein Ventil, um sich mittels Humor mit der neuen Situation und dem vereinigten Deutschland auseinanderzusetzen. Bis heute greifen die Künstler:innen politische und gesellschaftliche Themen auf und geben Raum für einen lebendigen Austausch.
6. Leipzig wächst rasant und gilt als Deutschlands coolste Stadt
Apropos Leipzig: Die Stadt hat sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt und wurde vom beliebten Reiseführer „Lonely Planet“ sogar zur coolsten Stadt Deutschlands gekürt. Das ist vielleicht einer der Gründe, warum Leipzig die am schnellsten wachsende Stadt der Bundesrepublik ist. Vor allem junge Menschen ziehen zu. Gründer:innen schätzen die im Vergleich zu anderen Metropolen günstigen Mieten und die Kreativ- und Kulturszene belebt Stadtteile wie Plagwitz oder die Südvorstadt. Zugleich investieren Unternehmen in die Bereiche Logistik, Biotechnologie und Medien, und die Unis der Stadt locken Studierende aus dem In- und Ausland an. Nicht umsonst hat Svante Pääbo, der am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig tätig ist, 2022 den Nobelpreis für Medizin erhalten.
7. Die Sorben prägen die Lausitz seit Jahrhunderten
In der Lausitz, einer Region an der Grenze zwischen Sachsen, Brandenburg und Polen, lebt mit den Sorben eine anerkannte nationale Minderheit. Die Gemeinschaft bewahrt seit Jahrhunderten ihre eigene Sprache, Kultur und Tradition. In zweisprachigen Ortsschildern, Schulen und Kulturinstitutionen bleibt das Sorbische sichtbar. Feste wie das Osterreiten oder das Zampern strukturieren den Jahreslauf. Doch die sorbische Identität geht über Folklore hinaus. Es gibt Initiativen, die sich für Sprachförderung, Medienangebote und politische Mitbestimmung engagieren. Junge Sorb:innen verbinden Tradition mit Gegenwart. Sie gründen Start-ups, engagieren sich in Vereinen oder arbeiten in internationalen Projekten – und sprechen dabei Sorbisch. In Sachsen wird kulturelle Vielfalt nicht als Gegensatz zur regionalen Identität verstanden, sondern als Teil davon.
8. Silicon Saxony: Europas Chip-Schmiede steht in Dresden
Wusstest du, dass Dresden den Spitznamen „Silicon Saxony“ trägt? Dahinter steckt kein Marketing-Gag, sondern ein industrielles Schwergewicht. Denn rund um die sächsische Landeshauptstadt hat sich Europas größter Mikroelektronik-Standort entwickelt. Internationale Konzerne und spezialisierte Mittelständler produzieren hier Halbleiter, Mikrochips und Sensoren. Forschungseinrichtungen kooperieren eng mit der Industrie. Die Technische Universität Dresden gilt als zentrale Partnerin für Innovation. Die Branche schafft Tausende Arbeitsplätze und zieht Fachkräfte aus ganz Europa an. Mehr und mehr junge Ingenieur:innen, IT-Expert:innen und Naturwissenschaftler:innen zeiht es in die Stadt an der Elbe. Sachsen knüpft damit an eine lange industrielle Tradition an, dennschon im 19. Jahrhundert galt das Königreich Sachsen als wirtschaftliches Kraftzentrum. Heute setzten Chips und Nanotechnologie diese Tradition fort.
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Ich bin zwar kein Fan der Band Silbermond, aber irgendwann habe ich zufällig das Lied „Mein Osten” gehört. Ich finde, es beschreibt es sehr gut, und ich finde mich in vielen Punkten wieder: „Ruppig, herzlich, wie du bist.”
- Frederik S. aus Dresden
9. Von Karl-Marx-Stadt zu Chemnitz – und zurück ins Rampenlicht
Die Stadt Chemnitz trug zu DDR-Zeiten den Namen Karl-Marx-Stadt. Doch nach der Wende im Jahr 1990 entschieden die Bürger:innen per Volksabstimmung, dass ihre Stadt wieder den historischen Namen Chemnitz annehmen sollte. Heute positioniert sich Chemnitz neu und investiert in Kultur, Technologie und Stadtentwicklung. Museen und Festivals, wie das Kosmos-Festival, ziehen überregionale Aufmerksamkeit an. Mit Erfolg, denn Chemnitz wurde im Jahr 2025 sogar zur Kulturhauptstadt Europas gekürt. Der Namenswechsel steht symbolisch für einen größeren Transformationsprozess – Chemnitz ringt mit seiner Geschichte, ohne in ihr zu verharren.
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An Sachsen mag ich besonders die Baukunst. Es gibt viele "barockige" und gut erhaltene Städte, aber auch so schöne Holzhütten wie im Erzgebirge.
- Jana M. aus Sachsen
10. Vom Bergbau zum Welterbe: das Erzgebirge
Das Erzgebirge hat Sachsen über Jahrhunderte geprägt. Hier förderten Bergleute Silber, Zinn und andere Metalle. Der dadurch entstandene Reichtum finanzierte den Städtebau, die Kunst und die Wissenschaft. Bis heute beeinflussen die Traditionen des Bergbaus Bräuche und Handwerk. Im Jahr 2019 erklärte die UNESCO die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří zum Welterbe. Dieser Status würdigt die historische Bedeutung des Bergbaus. Gleichzeitig steht die Region vor neuen Herausforderungen, denn nach der Schließung vieler Bergwerke sucht das Erzgebirge nach neuen wirtschaftlichen Perspektiven. Dabei gewinnen Tourismus, Handwerk und mittelständische Industrie an Bedeutung. Doch auch neue Bergbauprojekte, beispielsweise für den Abbau von Lithium oder Erz, sind derzeit für die Region im Gespräch.
Wie steht es um das Miteinander in Deutschland? Das fragen sich die Expert:innen der Bertelsmann Stiftung regelmäßig in Projekten wie „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ und entwickeln Lösungsansätze, wie die Gemeinschaften in Ländern, Städten und Kommunen gestärkt werden können.




