Roboter, die anpacken – wie Technologie das Handwerk verändert
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Handwerkskammer Dresden/André Wirsig
- 20. Februar 2026
Ob beim Steinmetz, in der Feinmechanik oder auf der Baustelle: Immer mehr Handwerksbetriebe setzen auf Robotik, um körperlich belastende, monotone oder gefährliche Arbeiten zu automatisieren. Daniel Hübschmann von der Handwerkskammer Dresden begleitet diese Entwicklung und erklärt, warum Technik den Menschen nicht ersetzt, sondern stärkt.
Roboter, die fräsen, heben oder lackieren, sind vor allem aus der Industrie bekannt. Doch auch im Handwerk übernehmen sie zunehmend Aufgaben, die für Menschen zu schwer, zu monoton oder zu zeitintensiv sind. Sie sind längst mehr als eine technische Spielerei und könnten ein Teil der Lösung für den wachsenden Fachkräftemangel sein. Aber sie sind nicht die ganze Antwort. Wir haben mit Daniel Hübschmann, Abteilungsleiter für Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer Dresden, darüber gesprochen, wie Roboter Handwerksbetriebe unterstützen, wo ihre Grenzen liegen und ob sie tatsächlich den Fachkräftemangel im Handwerk lösen können.
Daniel Hübschmann …
… ist Abteilungsleiter für Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer Dresden. Seit 2017 begleitet er Handwerksbetriebe dort bei der digitalen Transformation – von ersten Digitalisierungsschritten bis hin zur robotergestützten Automatisierung. Sein Ziel ist es, Technologien so nutzbar zu machen, dass sie den Arbeitsalltag im Handwerk erleichtern, ohne dabei das Handwerk selbst aus den Augen zu verlieren.
Roboter als Werkzeug, nicht als Ersatz
Die Lage im Handwerk bleibt angespannt: 2024 konnte etwa jede zweite offene Stelle nicht besetzt werden. Der Grund? Es gibt einfach nicht genug passende Leute. Vor allem Gesell:innen und Meister:innen fehlen.
„Wenn man den Roboter aus der Kiste nimmt, ist der erst einmal doof“, sagt Daniel Hübschmann lachend. „Der kann erst einmal nichts. Erst wenn er mit Fachwissen gefüttert wird, kann er ein gutes Werkzeug sein.“ Hübschmann begleitet Betriebe beim Einstieg in die Robotik. Dabei ist ihm eines besonders wichtig: Die Technik soll entlasten, nicht ersetzen. Roboter übernehmen monotone, schwere oder gefährliche Aufgaben, nicht aber die kreativen oder persönlichen Aspekte des Handwerks.
Von der Striezelmarkttasse bis zum CNC-Arm
Im Kammerbezirk Dresden arbeiten heute bereits Betriebe aus verschiedenen Gewerken mit Robotern. „Der Roboter hat beim Keramiker Henkel an die Striezelmarkttassen montiert. Sonst wäre diese Stückzahl gar nicht möglich gewesen.“ Auch in der Feinmechanik werden CNC-Maschinen (Computerized Numerical Control) durch Roboter ergänzt. Das spart Zeit und ermöglicht beispielsweise Nachtschichten. „Entscheidend ist, was der Roboter können muss. Erst dann wählt man das passende System.“
Roboter als Chance gegen den Fachkräftemangel
Ein weiteres Problem: Viele, die im Handwerk arbeiten, wechseln den Job – oft in ganz andere Bereiche. Zwischen 2022 und 2023 haben rund 191.000 Menschen das Handwerk oder andere Berufe, bei denen es an Personal mangelt, verlassen, meist wegen schlechter Bezahlung oder zu viel Stress. Nur 167.000 kamen neu dazu.
Der zunehmende Fachkräftemangel setzt viele Betriebe unter Druck. Robotik kann hier Abhilfe schaffen: „Wenn ich Menschen von belastenden Aufgaben entlaste, bleiben sie gesünder und länger im Betrieb.” Zusätzlich steigert moderne Technik die Attraktivität für Nachwuchskräfte. Wer digital arbeiten möchte, findet im Handwerk heute viele Anknüpfungspunkte. Dennoch gilt: Nicht jeder Betrieb braucht sofort einen Roboter. „Entscheidend ist immer: Was ist das passende Werkzeug für meine Herausforderung?”
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Wenn ich Menschen von belastenden Aufgaben entlaste, bleiben sie gesünder und länger im Betrieb.
- Daniel Hübschmann, Abteilungsleiter für Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer Dresden
Handwerksbetriebe zwischen Neugier und Skepsis
„Wir erleben sowohl Begeisterung als auch Zurückhaltung. Manchmal rufen Betriebe an, weil sie einen Roboter einfach cool finden.“ Dann prüft Hübschmann gemeinsam mit ihnen, ob das System wirklich passt. „Es bringt nichts, wenn das Gerät mehr Probleme schafft, als es löst.“ Traditionelle Betriebe, die bisher gut ohne Robotik arbeiten, werden nicht überzeugt, sondern begleitet, falls sie den Schritt wagen wollen.
Best Practices aus der Region
Hübschmann nennt das Beispiel eines Steinmetzbetriebs, in dem man sich Ingenieur:innen ins Boot holte, die den Roboter programmieren sollten. „Die haben gemerkt: ‚Ich verstehe die Technik, aber nicht das Handwerk.‘ Und haben dann zusätzlich eine Steinmetzausbildung gemacht.“ Hübschmann ergänzt: „Nur wenn Technik und Handwerk zusammenspielen, wird's rund.“ Auch im Metallbau zeigt sich das Potenzial: Durch den Einsatz von Robotik konnten Großaufträge in der Region gehalten und gestemmt werden.
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Nur wenn Technik und Handwerk zusammenspielen, wird's rund.
- Daniel Hübschmann, Abteilungsleiter für Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer Dresden
Smarte Helfer:innen, aber kein Selbstläufer
Roboter werden immer kleiner, sicherer und flexibler. Cobots arbeiten direkt mit Menschen zusammen. KI unterstützt beim Erlernen neuer Aufgaben. Doch bis ein Roboter sinnvoll eingesetzt werden kann, braucht es Zeit und Know-how. „Robotik ist kein Selbstläufer. Wer denkt, er stellt sich eine Maschine hin und alles wird besser, täuscht sich.“ Was es braucht? Offenheit, Neugier und das Bewusstsein, dass Technik das Handwerk nur dann sinnvoll ergänzt, wenn sie vom Menschen her gedacht wird.
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Robotik ist kein Selbstläufer. Wer denkt, er stellt sich eine Maschine hin und alles wird besser, täuscht sich.
- Daniel Hübschmann, Abteilungsleiter für Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer Dresden
Was sich junge Menschen wirklich vom Handwerk wünschen
Viele Jugendliche finden Handwerk grundsätzlich spannend, aber sie erwarten mehr als nur Werkzeug und Werkbank. Was zählt, sind moderne Arbeitsplätze, faire Löhne, gute Stimmung im Team und echte Chancen, sich weiterzuentwickeln. Technik wie Robotik kann dabei unterstützen. Sie zeigt: Das Handwerk geht mit der Zeit. Doch das reicht nicht. Es braucht eine Kultur, die Tradition mit Zukunft verbindet und den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Nur so bleibt das Handwerk ein Berufsfeld, das auch morgen noch begeistert.
Wie kann das Handwerk trotz Fachkräftemangel zukunftsfähig bleiben? Die Expert:innen der Bertelsmann Stiftung zeigen in der Studie „Fachkräfte gewinnen und halten – Wie Engpassbereiche attraktiver werden“, worauf es wirklich ankommt: bessere Löhne, moderne Arbeitsbedingungen und echte Perspektiven. Jetzt reinlesen!




