Übergang statt Warteschleife: Wie junge Menschen besser in die Ausbildung finden
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- 4. September 2026
Jedes Jahr landen mehr als 250.000 junge Menschen im sogenannten Übergangssektor – also in Angeboten, die eigentlich den Weg in eine Ausbildung ebnen sollen. Doch für viele fühlt sich dieser Weg eher wie eine Warteschleife an. Was läuft schief und wie kann der Einstieg in die Berufswelt besser gelingen?
Der Schulabschluss ist geschafft, aber der Ausbildungsplatz fehlt: Das ist die Realität vieler junger Menschen in Deutschland. Manche finden keine passende Ausbildung. Andere müssen erst noch herausfinden, welcher Beruf zu ihnen passt, oder brauchen Unterstützung beim nächsten Schritt. Statt im Beruf landen sie in Angeboten des Übergangssektors. Diese Angebote sollen Orientierung geben, Kompetenzen stärken und den Einstieg in die Ausbildung ermöglichen. Denn die hohe Teilnehmendenzahl zeigt: Der Übergang von der Schule in den Beruf gelingt nicht allen automatisch. 2025 befanden sich rund 259.400 junge Menschen im Übergangssektor. Die Zahl ist damit im dritten Jahr in Folge gestiegen. Und das liegt nicht nur an mangelnden Ausbildungsplätzen.
Der Übergangssektor
Der Übergangssektor, auch Übergangssystem genannt, umfasst in Deutschland zahlreiche Maßnahmen im Bereich Bildung. Sie richten sich an Jugendliche nach der Schule, die nicht direkt einen Ausbildungsplatz finden oder noch nicht bereit sind, eine Ausbildung zu starten. Der Übergangssektor gehört neben dem dualen System und den Hochschulen als eigener dritter Sektor zur beruflichen Bildung und soll vor allem dabei helfen, den passenden Beruf zu finden. Dazu gehört zum Beispiel auch, Abschlüsse nachzuholen, Kompetenzen zu erlangen oder Grundfertigkeiten wie Deutsch oder Mathe aufzubessern.
Zwischen Schule und Ausbildung: Der Übergangssektor
Für diejenigen, die nicht direkt in die Ausbildung starten können oder wollen, gibt es den Übergangssektor. Die Idee dahinter ist eigentlich klar: Der Übergang von Schule zu Beruf soll nicht zur Sackgasse werden. Junge Menschen sollen Zeit bekommen, ihre Stärken zu entdecken, praktische Erfahrungen zu sammeln und den Weg in eine Ausbildung zu finden. Doch wie kann aus einem Zwischenstopp ein echter Übergang werden? Um Licht ins Dunkel zu bringen, hat die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und dem Institut involas in einer bundesweiten Befragung mehr als 1.500 Fachkräfte im Übergangssektor befragt.
Die Ergebnisse räumen mit etlichen Vorurteilen auf. Entgegen dem oft geäußerten Klischee, Jugendliche würden „lieber chillen statt arbeiten“, zeigt die Praxis ein ganz anderes Bild: Mehr als 26,3 Prozent der Jugendlichen im Übergangssektor sind im Grunde ausbildungsfähig. Rund ein Viertel könnte also sofort loslegen, wenn ein passender Platz da wäre. Weitere 36,4 Prozent bräuchten lediglich eine verlässliche professionelle Begleitung an ihrer Seite. Doch wo hakt es dann?
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt
Der Arbeitsmarkt in Deutschland steht vor einem doppelten Problem: Während Unternehmen händeringend nach Fachkräften suchen, steigt gleichzeitig die Zahl junger Menschen, die ohne Berufsabschluss bleiben. Besonders betroffen sind Jugendliche mit keinem oder einem niedrigen Schulabschluss. Dabei gibt es auf dem Ausbildungsmarkt eine widersprüchliche Situation: Im Jahr 2024 blieben rund 69.400 Ausbildungsplätze unbesetzt, während fast genauso viele junge Menschen keinen Ausbildungsplatz fanden. Es gibt also eine Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage. Dieses Problem nennt sich auch Ausbildungs-Mismatch. Jugendliche und Betriebe finden sich oft nicht, weil die Berufe, die Orte oder die schulischen Qualifikationen nicht zusammenpassen.
Mentale Belastung: Wenn der Druck zur Dauerbelastung wird
Als größte Hürde nennen die Fachkräfte vor allem fehlende Kompetenzen wie Stressresistenz oder Pünktlichkeit, aber auch Frustration und Überforderung. Viele Jugendliche stehen unter enormem Druck, wissen nicht, welcher Beruf wirklich zu ihnen passt, und verlieren im Maßnahmendschungel schnell die Orientierung. Auch die mentale Belastung und die psychische Verfassung von Jugendlichen rücken in den Fokus. Der Übergang von der Schule in den Beruf ist für viele keine entspannte Findungsphase, sondern eine Zerreißprobe. Jugendliche haben Zukunftsängste, Selbstzweifel und das Gefühl, „abgehängt“ zu sein, während Gleichaltrige bereits ihr eigenes Geld verdienen. Die ständige Ungewissheit, ob es mit dem Ausbildungsplatz klappt, nagt am Selbstbewusstsein.
Was jungen Menschen jetzt wirklich hilft
Die Zahlen zeigen etwas Entscheidendes: Das Problem liegt selten an fehlender Motivation. Das bedeutet auch: Wer sich gerade im Übergang befindet, ist nicht „durchgefallen“ oder noch nicht bereit für die Ausbildung. Das System selbst lässt viele zu lange allein. Junge Menschen wünschen sich nämlich vor allem auch Unterstützung im Bewerbungsprozess und kontinuierliche Ansprechpersonen.
Trotzdem lässt sich der eigene Weg oft aktiv mitgestalten. Das Wichtigste ist, sich nicht noch mehr Druck zu machen, sondern Unterstützung zu holen. Und das, bevor die Orientierungslosigkeit zur Dauerbelastung wird. Das kann eine Berufsberatung sein, eine Jugendberufsagentur, aber auch eine Lehrkraft oder Vertrauensperson, die beim Sortieren hilft. Niemand muss den Weg allein finden. Und: Der eine richtige Beruf, den man von Anfang an „fühlt“, ist eher die Ausnahme. Von den rund 320 Ausbildungsberufen in Deutschland kennen die meisten nur eine Handvoll. Orientierung entsteht selten am Schreibtisch, sondern durch Ausprobieren. Durch ein Praktikum, einen Schnuppertag, ein Gespräch mit einer Person, die bereits in dem Beruf arbeitet. Diese Erfahrungen sind kein Umweg, sondern oft der schnellste Weg zur Klarheit.
Die Bertelsmann Stiftung beschäftigt sich im Rahmen des Projekts „Chance Ausbildung“ seit Jahren mit der Frage, wie der Übergang von der Schule in den Beruf besser gelingen kann. Dazu befragt sie regelmäßig Fachkräfte, Leitungen und junge Menschen selbst.






