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Deutschland feiert … Opferfest! Das wichtigste Fest des Islams

Personen beten auf den Knien in einer Moschee Adobe Stock/tolin

Deutschland feiert … Opferfest! Das wichtigste Fest des Islams

  • Adobe Stock/tolin
  • 21. August 2018 | Aktualisiert: März 2020

Ein Fest zu allen Jahreszeiten: Das muslimische Opferfest Eid al-Adha beginnt jedes Jahr an einem anderen Datum, aufgrund des Mondkalenders meistens elf Tage früher als im Vorjahr. Im Jahr 2020 findet es vom 31. Juli bis 3. August statt. Doch was feiern Muslim*innen während des höchsten islamischen Opferfestes eigentlich? change Magazin verrät, was es mit Eid al-Adha auf sich hat und räumt mit den hartnäckigsten Mythen auf.

Es ist eine dieser Geschichten, die uns heute wie von einer anderen Welt erscheinen: Ein Vater bekommt von Gott den Auftrag, seinen eigenen Sohn zu töten – und obwohl er den Sohn liebt, ist er bereit, es zu tun. Erst im letzten Moment hält der Allmächtige ihn auf, denn er ist überzeugt vom Gottvertrauen des Vaters, der Ibrahim heißt. Sein Sohn Ismael bleibt am Leben, und als Dank opfert Ibrahim einen Widder, dessen Fleisch er unter Freund*innen und Bedürftigen verteilt – das erste Opferfest.

Muslimisches Opferfest: Ein gesegnetes Fest!

Zu Eid al-Adha wünscht man auf Arabisch „ʿĪd mubārak“, was soviel bedeutet wie „gesegnetes Fest“. Auch zum Eid al-Fitr, dem Zuckerfest, wünscht man „ʿĪd mubārak“. Das Opferfest hat in vielen anderen Sprachen den gleichen Namen wie im Deutschen (Feast of the Sacrifice im Englischen, Kurban Bayramı im Türkischen), es gibt jedoch Ausnahmen: In Spanien nennt man es Fiesta del Cordero/Borrego (Fest des Lamms), genau wie in Ägypten, Saudi Arabien und im Mittleren Osten: Id ul Baqarah.

Eine Kalligrafie mit den Worten "Eid Mubarak"


Hingabe an Gott – egal ob muslimisch, jüdisch oder christlich

Einigen wird die Begebenheit bekannt vorkommen, denn die christliche Religion kennt eine ähnliche Geschichte: die von Abraham und Isaak. Auch im jüdischen Glauben existiert das Ereignis. Die Hingabe an Gott und die Unterwerfung unter seinen Willen kennen die drei Religionen gleichermaßen. Gläubige Menschen sehen in dieser Geschichte eindrucksvoll die Barmherzigkeit Gottes – dass sie Gott jederzeit absolut vertrauen sollen und können.

Heute gilt Muslim*innen in aller Welt das Opferfest als wichtigstes Fest, das über drei bzw. vier Tage andauert. Schon am Vortag, dem „Tag von Arafat“, beginnen die Rituale. Dieser Tag heißt deshalb so, weil sich an ihm alle Pilger*innen am Berg Arafat treffen, wo sie von morgens bis abends beten. Denn Eid al-Adha ist für viele Muslim*innen der Höhepunkt der jährlichen Pilgerfahrt (Haddsch) nach Mekka. Am „Tag von Arafat“ fasten viele Muslim*innen, weil sie glauben, dass ihnen dadurch die Sünden im alten und neuen Jahr vergeben werden.

Eine Frau hält sich einen großen bunten Lutscher vors Gesicht.

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Islamisches Opferfest: Ein riesiges Fest mit Familie und Freund*innen

In den Moscheen herrscht am ersten Tag des Opferfestes dichtes Gedränge, denn alle Muslim*innen sind aufgerufen, zum Gebet zu erscheinen. Generell spielen Familie und Beisammensein zu Eid al-Adha eine große Rolle. Am Opferfest geht es um Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Versöhnung. Kinder kriegen Geschenke und alle kommen zum gemeinsamen Essen zusammen. Am Tisch findet sich nicht nur die Familie ein, sondern auch Freund*innen. Schon an den Tagen vor dem Fest werden viele leckere Speisen vorbereitet, gekocht und gebacken. Neben Gebäck und Süßigkeiten gibt es auch jede Menge Fleisch. 

Drei Hände nehmen Datteln von einem Teller

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Rituell opfern und online spenden 

Wer es sich leisten kann, besorgt ein Tieropfer. Dazu tun sich meistens verschiedene Familien zusammen, denn ein ganzes Tier zu kaufen ist teuer. Anders als von einigen Medien dargestellt, spielt das sogenannte „Schächten“, also das rituelle Schlachten von Tieren, in Deutschland kaum eine Rolle – es ist aus Tierschutzgründen verboten. Unter sehr strengen Auflagen kann das Veterinäramt eine Ausnahmeregelung erteilen – und selbst dann dürfen nur Fachleute in zugelassenen Betrieben rituell schlachten. Manche Muslim*innen in Deutschland verzichten auf das Tieropfer (Kurban) und spenden stattdessen lieber Geld für Bedürftige oder kaufen ihnen ein Kurban. Das geht mittlerweile sogar online.

Schule während des islamischen Opferfests

Während in vorwiegend muslimischen Ländern die Geschäfte geschlossen bleiben, ist Eid al-Adha in Deutschland kein gesetzlicher Feiertag. Aber muslimische Kinder können sich zum ersten Tag des Fests vom Unterricht befreien lassen.

In Bundesländern wie Hamburg oder Bremen, wo es Staatsverträge mit den muslimischen Religionsgemeinschaften gibt, ist das sogar gesetzlich geregelt. Deutschlandweit sind Lehrer*innen angewiesen, zum Opferfest keine Klassenarbeiten zu schreiben oder sonstige Leistungsnachweise zu verlangen.

Kinder mit Schulranzen


Vielfalt macht uns stark! Die Beitragsreihe „Deutschland feiert...“ zeigt, zu welchen Anlässen Menschen in Deutschland ihre Freude ausdrücken. Mit dem Projekt „Religionsmonitor“ untersucht die Bertelsmann Stiftung unter anderem die gesellschaftliche Bedeutung von Religion.