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change Magazin – Das Magazin der Bertelsmann Stiftung

Japan: Neun spannende Fakten über das Land der aufgehenden Sonne

Eine Person mit Hut und Rucksack steht mit ausgestreckten Armen und Rücken zur Kamera in der Natur. In der Ferne ist der Berg Fuji zu sehen mit einer schneebedeckten Spitze und eine Stadt, mit einer Pagode auf der rechten Seite.
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© oatawa - stock.adobe.com

Japan: Neun spannende Fakten über das Land der aufgehenden Sonne

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Das älteste Hotel der Welt, die pünktlichsten Züge und eine der am schnellsten alternden Gesellschaften überhaupt: Japan sammelt Superlative wie kaum ein anderes Land und ist nicht umsonst ein spannendes Reiseziel. change hat das Land der Widersprüche unter die Lupe genommen.

Kirschblüten, Sushi und Hochgeschwindigkeitszüge: Wer an Japan denkt, hat schnell ein paar Klischees im Kopf. Doch hinter der Fassade aus Neonlichtern und Höflichkeitsritualen steckt ein Land, das mit enormen gesellschaftlichen Umbrüchen kämpft. Japans Bevölkerung ist älter als die jedes anderen Industriestaates, trotzdem hat Japan die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt. Neun Fakten, die zeigen, wie vielschichtig das Land wirklich ist.

Die Insel Miyajima ist vor allem für den Itsukushima-Schrein und das zinoberrote Torii-Tor bekannt. 1996 wurde der Schrein außerdem zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

 

1. Ein Archipel aus fast 7.000 Inseln

Wer nur an Tokio, Kyoto oder den Fuji denkt, unterschätzt die schiere Größe Japans gewaltig. Und das Land ist immer wieder für eine Überraschung gut: Lange dachte man, der Inselstaat besteht aus rund 6.800 Inseln, von denen jedoch nur vier – Honshu, Hokkaido, Kyushu und Shikoku – von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung bewohnt werden. Tatsächlich kam eine Behörde 2023 mit neuen Zählungen auf 14.125 Inseln und damit auf fast doppelt so viele wie ursprünglich angenommen. Manche der kleineren Inseln haben sich zu regelrechten Kuriositäten entwickelt: Auf der „Katzeninsel“ Aoshima etwa leben mehr Katzen als Menschen und auf der „Kanincheninsel“ Ōkunoshima hoppeln Hunderte zutrauliche Wildkaninchen frei zwischen den Besucher:innen umher.

Viele Menschen sitzen in einem Großraumbüro

Work-Life-Balance – warum der Begriff in Japan dein Leben retten kann

 

2. Fünf Millionen Automaten für (fast) alles

In Tokio finden wir sie fast an jeder Ecke: Verkaufsautomaten. Auf rund 23 Einwohner:innen kommt in Japan ein Verkaufsautomat, landesweit sind es damit schätzungsweise über fünf Millionen. Die sogenannten Jidōhanbaiki verkaufen längst nicht mehr nur Softdrinks, sondern auch heiße Nudelsuppen, frische Eier, Regenschirme, Blumensträuße und sogar Ratschläge in Liebesdingen. Sie sind rund um die Uhr geöffnet, gut beleuchtet und selbst in entlegenen ländlichen Gegenden zu finden. Die traditionsreichen Verkaufsautomaten gibt es schon seit den 1920er-Jahren. Inzwischen sind sie für viele Menschen eine echte Alternative zum Supermarkt. 

Praktisch für den Alltag, lebenswichtig im Notfall: Manche japanische Getränkeautomaten schalten bei schweren Erdbeben automatisch auf kostenlose Ausgabe um.

 

3. Die ältesten Unternehmen der Welt

Während anderswo Start-ups gefeiert werden, hält Japan einen ganz anderen Wirtschaftsrekord: Zahlreiche japanische Firmen bestehen seit mehr als 100 Jahren. Darunter auch das älteste noch aktive Unternehmen der Welt. Das Hotel Nishiyama Onsen Keiunkan in der Präfektur Yamanashi wird seit dem Jahr 705 geführt und damit seit sage und schreibe über 1.300 Jahren, die meiste Zeit davon von derselben Familie. 2011 wurde es von Guinness World Records offiziell als ältestes Hotel der Welt zertifiziert.

 

 

4. Frauen in der Wirtschaft: Abgehängt trotz Fachkräftemangel

Klingt paradox, ist aber Realität: Japan sucht händeringend Arbeitskräfte und lässt gleichzeitig einen riesigen Teil seines Potenzials liegen. Denn für Frauen ist es in Japan noch immer außergewöhnlich schwer, Karriere und Familie zu vereinbaren. Im aktuellen Global Gender Gap Report landet Japan nur auf Platz 118 von 148 und als einziges G7-Land nicht mal in der Top 100. Besonders krass ist der Rückstand bei der politischen Teilhabe. Der Frauenanteil im Kabinett sank zuletzt sogar auf 8,8 Prozent.

Eine Frau arbeitet in einer Lagerhalle

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5. Japans Züge: Rasend schnell und auf die Sekunde pünktlich

Wer schon mal genervt auf eine verspätete Bahn in Deutschland gewartet hat, kann von Japans Zügen nur träumen. Der Shinkansen, Japans legendärer Hochgeschwindigkeitszug, rast seit 1964 mit mehr als 300 km/h durchs Land und hat damit seit über 60 Jahren die Reisezeit zwischen den Metropolen radikal verkürzt. Zwar gibt es auch deutsche ICEs, die bis zu 300 km/h schnell durchs Land fahren, doch bei uns gilt ein Zug erst ab sechs Minuten Verzögerung als unpünktlich. Die durchschnittliche Verspätung des Shinkansen in Japan liegt bei nur wenigen Sekunden pro Fahrt. 

Wie viel Millionen Einwohner:innen hat Japans Hauptstadt Tokio?

1 Millionen
50 Millionen

Wie groß ist die Gesamtfläche Japans in Quadratkilometern?

100000 km²
500000 km²

Wie viele Meter hoch ist der Fuji, der höchste Berg Japans? 

1000 Meter
5000 Meter

 

6. Die am schnellsten alternde Gesellschaft der Welt

Kaum ein Land steht demografisch so unter Druck wie Japan. Aktuell sterben dort jedes Jahr mehr Menschen, als geboren werden. Die Bevölkerung ist seit ihrem Höchststand von 128 Millionen im Jahr 2010 kontinuierlich geschrumpft und lag Mitte 2026 bei rund 122,4 Millionen Menschen. Damit ist die Bevölkerungszahl bereits das 16. Jahr in Folge geschrumpft. Das Medianalter liegt inzwischen bei über 50 Jahren, gut ein Drittel der Bevölkerung ist 65 Jahre oder älter. 

 

7. Kirschblüten als Sinnbild der Vergänglichkeit

Einmal im Jahr wird Japan in eine ganz besondere Farbe getaucht. Wenn im Frühjahr die Sakura-Bäume blühen, verwandelt sich das Land für wenige Wochen in ein zartrosa Blütenmeer, und Millionen Menschen strömen zum Hanami, dem traditionellen Picknick unter den Kirschblüten. Klingt erst mal nach Frühlingsgefühlen pur, geht aber tiefer: Die Blüte gilt vor allem als Symbol für Vergänglichkeit, weil sie nach wenigen Tagen schon wieder zu Boden fällt. Genau dieser Gedanke, dass gerade das Flüchtige besonders wertvoll ist, zieht sich bis heute durch viele Bereiche der japanischen Kultur. Ein bisschen carpe diem, japanische Edition sozusagen. In Japan nennt sich das dann „Mono no aware“, das Empfinden für die Vergänglichkeit der Dinge.

 

 

8. Sauber ohne Mülleimer: Das stille Paradoxon Tokios

Wer in Tokio mal eben den leeren Kaffeebecher entsorgen will, sucht vergeblich nach einem Mülleimer. Diese sind in Japan extrem selten, trotzdem gelten die Straßen als blitzsauber. Der Grund dafür: 1995 verübte die Aum-Shinrikyo-Sekte einen Giftgasanschlag auf die Tokioter U-Bahn, bei dem der giftige Kampfstoff Sarin freigesetzt wurde. Die Mülleimer in der U-Bahn dienten damals als Versteck für das tödliche Nervengas. 13 Menschen starben, Tausende wurden verletzt. Aus Angst, Mülleimer könnten erneut für Anschläge genutzt werden, wurden sie danach fast überall aus dem Stadtbild entfernt. Wer heute in Japan unterwegs ist, trägt seinen Müll meist einfach in einer kleinen Tüte bei sich, bis er ihn zu Hause entsorgen kann. 

Die japanischen Lebensmittelbeispiele im Schaufenster sind ein echter Trend und können bis zum Zehnfachen des Originalgerichts kosten.

 

9. Täuschend echt: Die Kunst der Speisekarten

In vielen japanischen Schaufenstern glänzen perfekt nachgeformte Gerichte aus Kunstharz oder Wachs, sogenannte Shokuhin Sanpuru. Die Idee dahinter ist gar nicht so neu, denn bereits in den späten 1920er-Jahren entwickelten japanische Kunsthandwerker die ersten Food-Samples. Damals wurde das vor allem gemacht, um Gästen unbekannte Gerichte optisch zu erklären. Heute zählen die kleinen Muster-Speisen zu einem der beliebtesten Mitbringsel aus Japan und sind inzwischen ein Millionengeschäft. 

Die Bertelsmann Stiftung befasst sich immer wieder mit der Frage, wie zukunftsfähig Staaten eigentlich regiert werden. Im Rahmen des Projekts „Sustainable Governance Indicators“ (SGI) vergleicht die Stiftung dazu regelmäßig Länder – darunter auch Japan.