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Zu arm für Urlaub: Reisen als unerfüllbarer Luxus

Ein Schwimmring in Form eines Flamingos fließt im Wasser Vicko Mozara / Unsplash – Unsplash License, unsplash.com/license

Zu arm für Urlaub: Millionen Deutsche haben kein Geld zum Verreisen

  • Vicko Mozara / Unsplash – Unsplash License, unsplash.com/license
  • 05. August 2019

Sommerzeit ist Ferienzeit – aber nicht für alle. Jeder Siebte ist zu arm, um sich auch nur eine Woche Urlaub leisten zu können. Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung fand heraus: Armut ist vor allem ein Problem in den Großstädten.

Während in Deutschland jedem Bürger auch in finanzieller Not eine Grundsicherung zusteht, werden die Konsequenzen von Armut gerade in der Freizeitgestaltung sehr deutlich. Besonders betroffen sind Alleinerziehende: Ein Drittel von ihnen kann nicht mit den Kindern in den Urlaub fahren, mehr als doppelt so viele Menschen wie im bundesweiten Durchschnitt. Für Millionen Menschen in Deutschland ist Verreisen finanziell keine Option. Diese Zahlen kommen vom Europäischen Statistikamt.

Jeder Siebte? Kann das stimmen?

Im Prinzip: Ja. Die Zahlen für diese Meldung kommen von Eurostat, dem statistischen Amt der EU. Nur was genau „Urlaub“ bedeutet und wie viel Geld die Menschen dafür ausgeben, das hat Eurostat nicht ermittelt. Stattdessen handelt es sich um eine Selbsteinschätzung der Befragten: Die Behörde erkundigt sich regelmäßig bei bis zu 200.000 Personen aus dem EU-Raum, wie viel Geld sie – nach eigener Einschätzung – für bestimmte Dinge zur Verfügung haben. Beim Thema Ferien wollte Eurostat wissen, ob man es sich „finanziell leisten kann oder könnte, mindestens eine Woche pro Jahr Urlaub woanders als zu Hause zu verbringen“. Ob „woanders“ an der Mecklenburgischen Seenplatte als Selbstversorger im Bungalow oder an der Mittelmeerküste im All-inclusive-Hotel bedeutet, ist dabei nicht klar. Wir vergessen zu häufig, dass auch in Deutschland Armut ein Thema ist. Dass sich jeder Siebte keinen Urlaub leisten kann, ist also sachlich richtig – mit dem Zusatz, dass es sich um eine Selbsteinschätzung handelt.

Palmen und ein Wegweiser


Wer denkt, es handle es sich um ein Luxusproblem, täuscht sich: Gerade Einbußen in solchen Alltagsbereichen verstärken die Schere zwischen Arm und Reich und behindern schließlich die Bildungsgerechtigkeit. Die gute Nachricht: Es wird besser. Seit 2013 ist die Zahl der Menschen, die sich keinen Urlaub leisten können, rückläufig. Trotzdem sind immer noch 14,5 Prozent der Bevölkerung betroffen. Im Rest Europas sieht es teilweise dunkler aus. In Rumänien, Kroatien und Zypern kann sich nur jeder Zweite Urlaub leisten.

Ein Kind hüpft in Fußspuren

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Spürbar ist die Armut in Deutschland vor allem in großen Städten mit über 100.000 Einwohnern. Großstädter nehmen das Problem auch verstärkt wahr, fast die Hälfte von ihnen ist der Meinung, dass die Armut gestiegen sei. Und die Vermutung stimmt: Die Armutsquote in den Großstädten ist im Schnitt auf 14 Prozent geklettert. Das sind 0,3 Prozent mehr als 2007. Im Bundesdurchschnitt sank die Quote hingegen auf 10,1 Prozent (2007: 10,5 Prozent).

Doch was tun die Städte dagegen? Die Verwaltungschefs der größeren Städte haben das Problem erkannt. Sie fördern zum Beispiel gezielt Kinder- und Jugendeinrichtungen, denn Armut betrifft vor allem die Schwächsten in unserer Gesellschaft. Jedes fünfte Kind lebt in Armut.

Was unternehmen Kommunen noch im Kampf gegen die Armut? Das Projekt „Monitor Nachhaltige Kommune“ der Bertelsmann Stiftung forscht dazu. Die Ergebnisse der aktuellen Studie findet man hier.