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change Magazin – Das Magazin der Bertelsmann Stiftung

Wie wird man Wahlhelfer:in? Mit den Erstwahlprofis!

Eine Person hält einen Stimmzettel in die Kamera. Mika Baumeister - unsplash.com/license

Jetzt Erstwahlprofi werden und junge Menschen zum Wählen motivieren!

  • Mika Baumeister - unsplash.com/license
  • 26. Mai 2023

Die Rechnung ist einfach: Ohne freie Wahlen keine Demokratie und ohne Wahlhelfer:innen keine freien Wahlen. Wahlhelfer:innen sind also unerlässlich für das Funktionieren unseres politischen Systems – und doch gibt es immer weniger Menschen, die sich für dieses wichtige Amt interessieren. change erklärt, was die Erstwahlprofis als Wahlhelfer:innen genau machen und warum auch du dir überlegen solltest, eine:r zu werden.

Fehlende Stimmzettel, stundenlanges Anstehen vor den Wahllokalen und Stimmabgaben, die noch nach dem offiziellen Ende des Wahltages um 18 Uhr abgegeben wurden: All diese Pannen gab es bei der Berlin-Wahl im September 2021. Ein Jahr später wurde sie für ungültig erklärt und im Februar 2023 wiederholt. Die Wiederholungswahl verlief glücklicherweise deutlich besser – was auch daran lag, dass die Stadt diesmal 8.000 zusätzliche Wahlhelfer:innen einsetzte, die für einen reibungslosen und damit demokratischen Ablauf der Wahl sorgten.

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Über die Initiative Erstwahlprofis

Das Projekt Erstwahlprofis wurde vom Institut für Politik und Wirtschaft, HAUS RISSEN, ins Leben gerufen. Für die Berlinwahl 2023 hat sich die Bertelsmann Stiftung dem Projekt angeschlossen.

Warum gibt es die Erstwahlprofis?

Die Erstwahlprofis bilden junge Menschen in Seminaren und Workshops zu Wahlhelfer:innen aus, damit sie optimal auf den Wahltag vorbereitet sind und selbst Erstwahlprofis werden können.

Wer kann mitmachen?

Mitmachen können alle jungen Menschen zwischen 16 und 25 Jahren, die sich für Demokratie und faire Wahlen interessieren. Teilnehmen können auch Menschen, die erst kürzlich in Deutschland eingebürgert wurden und zum ersten Mal wählen dürfen.

Was passiert in den Workshops?

In den Workshops bekommen die neuen Erstwahlprofis praktisches Wissen darüber vermittelt, was am Wahltag in den Wahllokalen passiert. Außerdem geht es um grundsätzliche Fragen rund um die Wahl: zum Beispiel, warum freie Wahlen so wichtig für die Demokratie sind, wo man sich für seine Wahlentscheidung informieren und wie man andere zum Wählen motivieren kann.


Wahlhelfer:innen sind das Fundament funktionierender Wahlen

In einer funktionierenden Demokratie dürfen Pannen wie das Wahldebakel in Berlin nicht passieren. Denn sie führen dazu, dass die Bürger:innen weniger Vertrauen in das politische System haben, was wiederum schädlich für die Demokratie ist, da es populistischen Kräften Auftrieb gibt. Wahlhelfer:innen spielen hier eine entscheidende Rolle: Sie sind gewissermaßen das Fundament funktionierender Wahlen. Doch was genau sind ihre Aufgaben? Und wie können die Erstwahlprofis helfen?

„Die Wahlbeteiligung von Menschen in unserem Alter ist sehr gering, und Jugendliche wie wir sitzen nur selten im Wahllokal. Vielen war gar nicht klar, dass jede:r Wahlberechtigte Wahlhelfer:in werden kann. Im Erstwahlprofi-Kurs haben wir vom Aufbau bis zur Auszählung alles gelernt, was uns am Wahltag sehr geholfen hat, Stress zu vermeiden. Besonders das Rollenspiel hat mir am Wahltag sehr geholfen, vor allem weil ich die einzige Person war, die einen Vorbereitungskurs gemacht hatte."

– Clemens, 23 Jahre, Erstwahlprofi


Die Erstwahlprofis wollen jungen Menschen Demokratie näherbringen

Am Wahltag sorgen die Wahlhelfer:innen in ihrem Wahllokal dafür, dass bei der Wahl alles mit rechten Dingen zugeht: Dazu gehört zum Beispiel, dass im Wahllokal Ruhe und Ordnung herrscht, die Wahlberechtigung anhand des Wähler:innenverzeichnisses und der Wahlbenachrichtigung überprüft wird, die Stimmzettel ausgegeben werden, die Teilnahme im Wähler:innenverzeichnis vermerkt wird und am Ende des Wahltages die Stimmen ausgezählt werden.
 

„Bei den ‚Erstwahlprofis‘ wurde ich mit anderen in meiner Altersklasse auf unvorhersehbare Situationen anhand von praxisnahen Beispielen vorbereitet und geschult. Außerdem haben wir uns mit den Grundlagen der Demokratie befasst. Die Initiative hat mit gezeigt, wie ich in schwierigen Situationen während der Wahl richtig und konsequent handeln kann. Durch die Teilnahme an den Seminaren fühlte ich mich viel besser vorbereitet und konnte so die Herausforderung als stellvertretender Wahlvorsteher meistern.“

– David, 22 Jahre, Erstwahlprofi


Begeisterung für Demokratie und Politik wecken

Wahlhelfer:innen haben also eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe. Trotzdem ist die Zahl der Wahlhelfer:innen in den letzten Jahren immer mehr zurückgegangen. Besonders an jungen Menschen fehlt es in diesem wichtigen Amt. Gleichzeitig gehen junge Menschen auch deutlich weniger Wählen. Um das zu ändern und jungen Menschen Lust auf Demokratie und Politik zu machen, haben das HAUS RISSEN und die Bertelsmann Stiftung zu den Berliner Wahlen Erstwahlprofis ausgebildet.
 

Ein Wandgemälde mit dem Aufruf "Vote" ("Wähle")

Wählen ab 16: Was spricht dafür, was dagegen?


Wer sind die Erstwahlprofis?

Die Erstwahlprofis sind junge Menschen zwischen 16 und 24 Jahren oder neu in Deutschland Eingebürgerte, die zum ersten Mal wählen dürfen. Damit mehr junge Menschen und Menschen mit Migrationsgeschichte Wahlhelfer:innen werden, bildet die Initiative sie in Workshops und Seminaren dazu aus. Die Erstwahlprofis sollen auch andere junge Menschen zum Wählen motivieren, denn zu wenige von ihnen nehmen ihr Wahlrecht wahr.
 


Bei jungen Menschen ist die Wahlbeteiligung besonders niedrig

An der Bundestagswahl im September 2021 beteiligten sich nur 67 Prozent der 21- bis 24-Jährigen. Das ist der niedrigste Wert unter allen wahlberechtigten Altersgruppen. Auch Menschen mit Migrationsgeschichte machen im Schnitt seltener von ihrem Wahlrecht Gebrauch: Bei der Bundestagswahl 2017 beteiligten sich nur 65 Prozent von ihnen, das sind 20 Prozent weniger als bei den Menschen ohne Migrationsgeschichte.
 

„Ich wollte schon lange wissen, wie es nach 18 Uhr weitergeht und wie die Ergebnisse der Hochrechnungen ins Fernsehen kommen. Das war meine größte Motivation, bei einer Wahl als Wahlhelfer zu arbeiten.“

– Anton, 21 Jahre, Erstwahlprofi


Wählen ist wichtig, denn jede Stimme zählt!

Damit die Politik jedoch die ganze Breite der Gesellschaft abbilden kann, ist jede Stimme wichtig. Nur so kann sich die Demokratie voll entfalten und die unterschiedlichsten Anliegen können Gehör finden. Bei der Wahlwiederholung in Berlin im Februar 2023 haben sich die von der Initiative Erstwahlprofis dafür ausgebildeten Wahlhelfer:innen übrigens schon ein erstes Mal bewährt, denn alle 141 kamen zum Einsatz.

Wie kann Politik widerstandsfähiger, inklusiver und digitaler werden? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Expert:innen der Bertelsmann Stiftung im Projekt New Democracy, indem sie beispielsweise Initiativen wie die Erstwahlprofis initiieren und unterstützen.