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change Magazin – Das Magazin der Bertelsmann Stiftung

Der Internationale Frauentag: Demos statt Blumen

Ein Protestschild zum Internationalen Frauentag T. Chick McClure – unsplash.com/license

Warum der Internationale Frauentag ein Protest- und (noch) kein Feiertag ist

  • T. Chick McClure – unsplash.com/license
  • 06. März 2020

Jeden Tag werden Frauen und Mädchen weltweit diskriminiert: Sie sind in vielen Bereichen unterrepräsentiert, häufig unterbezahlt und erleben Gewalt und Belästigung in öffentlichen Räumen und zu Hause. Gegen diese Diskriminierung demonstrieren Frauen weltweit am Internationalen Frauentag. change berichtet, was auf dem Weg zur Gleichheit der Geschlechter noch fehlt – und was dabei auch schon alles passiert.

Im vergangenen Jahrzehnt haben sich die Rechte von Frauen und Mädchen vielerorts verbessert. Trotz dieser Fortschritte vollzieht sich der Wandel für die Mehrheit der Frauen und Mädchen in der Welt aber nur langsam. Um auf die Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern aufmerksam zu machen und globale Maßnahmen zu mobilisieren, wird seit über 100 Jahren der Internationale Frauentag begangen.

#EachforEqual: Eine gleichberechtigte Welt ist möglich

Frauen an diesem Tag zu gratulieren, ist eher unpassend, denn niemand möchte für seine Benachteiligung beglückwünscht werden. Vielmehr ist es ein Tag, an dem Frauen sich gegenseitig stärken und ihre Stimmen für höhere Löhne, bessere Bildungs- und Arbeitsbedingungen und eine gewaltfreie Welt erheben.

Das Thema für den Frauentag am 8. März 2020 lautet „An equal world is an enabled world“ und läuft unter dem Hashtag #EachforEqual. Die Botschaft bedeutet konkret: Jeder Mensch ist für seine Gedanken und Handlungen verantwortlich. Gemeinsam können wir Stereotype infrage stellen, Voreingenommenheit bekämpfen und uns für Gleichberechtigung einsetzen.

Eine Frau springt in einer Tanzpose vor einer schwarzen Wand hoch.

Viel mehr als #MeToo: Was sich im vergangenen Jahrzehnt in der Gleichberechtigung getan hat


Sustainable Development Goal 5: Gleichheit der Geschlechter

Dieses Jahr markiert außerdem Meilensteine in der Gleichstellungsbewegung: Vor zehn Jahren wurde „UN Women“ gegründet und vor fünf Jahren haben 193 Länder weltweit die Ziele der nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) unterschrieben. Die Fortschritte bei der Umsetzung der Ziele werden jedes Jahr in einem Index gemessen.

Ziel Nummer 5 der SDGs ist: die Gleichstellung der Geschlechter erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen. Viele Dinge stehen dem aber noch im Weg: Weibliche Genitalverstümmelung und Kinderheirat sind nach wie vor weit verbreitet, gesetzliche Diskriminierung, ungerechte soziale Normen, Einschränkung der sexuellen und reproduktiven Selbstbestimmung sowie geringe politische Beteiligung der Frauen untergraben die Möglichkeit, Ziel Nummer 5 zu erreichen. Bei anderen Faktoren hingegen gibt es schon Fortschritte.

Frauen in Führungspositionen fehlen

Nicht nur sind Frauen weniger an politischen Entscheidungen beteiligt, sie befinden sich auch in deutlich weniger Führungspositionen in Unternehmen als Männer. Nur knapp ein Drittel der Führungskräfte in Deutschland sind Frauen und weniger als 6,9 Prozent der europäischen Spitzenunternehmen haben weibliche CEOs. Um dies zu verändern und Frauen zur Führung zu motivieren, findet seit zehn Jahren das Seminar „Executive Training: Women and Cultural Change“ statt.

Cover des change Magazins 2/2019

So kämpfen Frauen sich durch

„Es geht um Persönlichkeitsentwicklung, die Rolle als Führungskraft und die Transformation im Job, die heute agiles Arbeiten erfordert.“ Den ganzen Artikel über das Executive Training gibt es im change Magazin 2/2019.

Dort besprechen die Teilnehmerinnen in Trainings und Feedbackrunden Themen wie New Work, Männer-Machtspiele, Netzwerkaufbau und Führungsalltag in einem stark patriarchalisch geprägten Umfeld. Die Trainings finden im Rahmen der Initiative „Creating Corporate Cultures“ der Bertelsmann Stiftung statt. Dabei wird eines immer wieder deutlich: Dass Frauen selbst im Jahr 2020 noch in vielen Bereichen um ihre Rechte kämpfen müssen.

Wie steht es um die Berufstätigkeit? Die Sustainable Governance Indicators (SGI) der Bertelsmann Stiftung bewerten unter anderem die Auswirkungen der Sozialpolitik auf Familien. Die SGIs zeigen, dass in der EU insgesamt weniger Frauen als Männer berufstätig sind, nicht zuletzt auch wegen der sehr ungleich verteilten Betreuungsarbeit innerhalb der Familien.