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Auf einer Bühne sitzen Oyindamola Alashe und Gianni Jovanovic auf einem Sofa und sprechen mit einer Moderatorin im Rollstuhl, die ein Mikrofon hält. Hinter ihnen hängen Pride-Flaggen und Protestschilder, während sie sich lächelnd unterhalten.
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Carolin Windel

„Du gehörst dazu.“ Wie Kunst Räume schafft, die uns stark machen

  • Oyindamola Alashe und Gianni Jovanovic
  • Carolin Windel
  • 20. März 2026

„Ihr passt hier nicht hin.“ Mit diesem Satz wurden Oyindamola Alashe und Gianni Jovanovic immer wieder konfrontiert. Heute schaffen sie Räume, in denen Vielfalt sichtbar wird und in denen alle willkommen sind.

Sowohl Oyindamola Alashe als auch Gianni Jovanovic sind Jahrgang 1978 und in Deutschland aufgewachsen. Ihre Lebenswege waren geprägt von Erfahrungen mit Armut, Rassismus und Ausgrenzung. Jovanovic erlebte zusätzlich Diskriminierung aufgrund seiner sexuellen Identität. Heute nutzen beide Kunst und Kultur, um neue Räume zu schaffen – Orte, an denen sich Menschen gesehen und gehört fühlen.

Oyindamola Alashe ist Journalistin, Moderatorin und Autorin. Gianni Jovanovic ist Unternehmer und bekannter Aktivist der Sinti:zze- und Rom:nja-Community. Gemeinsam veröffentlichten sie „Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit“ und veranstalten die Show „WeArtHere“ im COMEDIA Theater Köln. Sie bieten Workshops zu Rassismus, Anti-Romaismus und diskriminierungssensibler Sprache an.


Eine Bühne für alle, die sonst übersehen werden

Aus dieser Erfahrung heraus gründeten sie „WeArtHere“. Was als Show begann, ist heute eine Plattform. Für Schwarze Menschen, BIPoC, queere Menschen, Menschen mit Behinderung. Für all jene, die wegen Herkunft, Religion oder sexueller Identität Ausgrenzung erleben. Diversität ist hier kein Marketingbegriff. Sie ist Voraussetzung. Auch Barrierearmut gehört selbstverständlich dazu. Alashe und Jovanovic kritisieren: Es reicht nicht, marginalisierte Künstler:innen punktuell sichtbar zu machen – etwa zu Gedenktagen oder im Rahmen einzelner Diversity-Initiativen. Wenn Vielfalt ernst genommen wird, muss sie strukturell verankert sein: in Ensembles, im Publikum, in Leitungspositionen.

Kunst als Werkzeug für Empowerment

Für beide ist Kunst mehr als Unterhaltung. Sie ist politisch. Provokant. Verändernd. Empowerment bedeutet für sie, Menschen zu befähigen, ihre eigenen Fähigkeiten und Rechte zu erkennen und zu nutzen. Selbstvertrauen zu entwickeln. Gesellschaftliche Barrieren zu hinterfragen – und zu überwinden. Kunst kann genau das leisten. Wer auf einer Bühne steht, in Drag performt, Poetry vorträgt oder Theater spielt, erlebt Selbstwirksamkeit unmittelbar. Sichtbarkeit stärkt das Selbstwertgefühl, fördert Resilienz und unterstützt Identitätsentwicklung. Für manche wird Kunst sogar zum Weg, persönliche Verletzungen oder Diskriminierungserfahrungen zu verarbeiten.

Räume, die Veränderung möglich machen

Kunst kann gesellschaftliche Normen hinterfragen und neue Perspektiven eröffnen. Sie schafft Räume für Dialog – und für Begegnungen zwischen Menschen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären. Für Oyindamola Alashe und Gianni Jovanovic ist das nicht nur eine kulturelle Aufgabe, sondern eine gesellschaftliche. Diversität sei kein Trend, sondern eine Voraussetzung für ein demokratisches und faires Miteinander. Ihr Ziel ist klar: Dass niemand mehr hören muss „Ihr passt hier nicht hin“. Sondern erleben darf: Du gehörst dazu. 

Wie bleiben wir als Gesellschaft verbunden, trotz all unserer Unterschiede? Genau damit beschäftigt sich das Projekt „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ der Bertelsmann Stiftung – mit spannenden Analysen und Impulsen für mehr Miteinander.