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Pessach 2020: Wie feiern Jüd*innen in Deutschland?

Matzen spielen beim Passahfest eine zentrale Rolle. Adobe Stock / Andrii

Deutschland feiert … Pessach! Warum das jüdische Fest und Ostern (oft) zusammenfallen

  • Adobe Stock / Andrii
  • März 2018 | Aktualisiert: Dezember 2019

Im Jahr 2020 beginnt Pessach am Abend des 08. April und endet am Abend des 16. April. Dass das wichtigste jüdische Fest häufig um dieselbe Zeit wie das christliche Ostern stattfindet, ist kein Zufall. change Magazin verrät, was sich hinter der Tradition und ihren Bräuchen verbirgt.

Knapp 100.000 Menschen mit jüdischem Glauben leben heute in Deutschland. Für viele von ihnen ist Pessach – auch Passahfest genannt – das höchste Fest im Jahr.

Wann wird Pessach gefeiert?

Es beginnt mit dem ersten Vollmond im Frühjahr und dauert acht Tage. 2020 beginnt Pessach am Abend des 08. April und endet am Abend des 16. April. Die Tage markierten früher den Beginn der Gerstenernte für die Israelit*innen, doch hinter dem Festtag steckt noch mehr.

Was ist die Bedeutung von Pessach?

Zu Pessach feiern Jüd*innen die Freiheit und gedenken der Leidensgeschichte ihres Volkes. Rituelles Essen, Erzählungen und Gesang erinnern daran, wie die Israelit*innen der Tora zufolge aus Ägypten flohen und der Sklaverei entgingen. Auch an den Bund mit Gott und eine entsprechende Heilserwartung wird erinnert, die bei den Christ*innen in Form von Jesus in Erfüllung gegangen ist.

Pessach und Ostern

Dass das christliche Osterfest und das jüdische Pessach etwa zur gleichen Zeit gefeiert werden, ist kein Zufall. Wie Schawuot und Sukkot ist Pessach ein Wallfahrtsfest – es wurde also zur Zeit der beiden Tempel mit einer Pilgerfahrt nach Jerusalem begangen.

Jesus von Nazareth soll zu diesem Anlass auf dem Weg in die heilige Stadt gewesen sein, als er gefangen genommen und gekreuzigt wurde. Deshalb gilt Pessach als Ursprung des christlichen Osterfests. Auch weitere Symboliken verbinden die beiden Feste.

Ein Zusammenschnitt: Bemalung von Ostereiern und eine Sedartafel zu Pessach.

 

Welche Bräuche sind zu Pessach üblich?

  • Weil die Israelit*innen Ägypten in großer Eile verließen, hatten sie keine Zeit, ihre Speisen säuern zu lassen. Zu Pessach dürfen deshalb nur ungesäuerte Speisen gegessen werden oder im Haus sein. Lebensmittelhändler*innen dürfen in dieser Zeit keine solchen Waren verkaufen.

  • An den ersten beiden Abenden findet die Sederfeier (dt. Ordnungsfeier) statt – ein Abendmahl nach genauen Regeln. Beispielsweise kommt nur Geschirr zum Einsatz, das noch nie mit fermentierten oder Hefe enthaltenden Lebensmitteln in Berührung gekommen ist. Während des Essens stellt der jüngste Sohn vier Fragen zur Geschichte des Fests, die der Vater ihm beantwortet.

  • In den Sedernächten werden viele Speisen gereicht, jeweils mit einer ganz bestimmten Symbolik. Salzwasser steht beispielsweise für die Tränen, die in Ägypten geweint wurden. Grünes Kraut (Karpas) ist das Sinnbild für die Früchte der Erde, die zum Leben notwendige Nahrung.

  • Eine besondere Bedeutung haben die sogenannten Matzen, ungesäuertes Brot, das die Israelit*innen während ihrer Flucht ernährte. Es darf auf keiner Sedertafel fehlen!
Ein junger Mann mit Kippa steht an einem hellen Fenster

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Das change Magazin wünscht allen Feiernden ein frohes Fest!

Vielfalt macht uns stark! Die Beitragsreihe "Deutschland feiert ..." zeigt, zu welchen Anlässen Menschen in Deutschland ihre Freude ausdrücken. Die Bertelsmann Stiftung trägt mit einem eigenen Projekt zum deutsch-israelischen Verständnis bei. Der Reinhard Mohn Preis 2018 zeichnet besonderes Engagement für eine freie und vor allem tolerante Gesellschaft aus.