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Malik Abdullah Mazhar: Menschen aus dem Mittleren Orient haben Deutschland viel zu bieten

Eine Person sitzt in einem Café am Laptop
Interview
Tim Gouw / Unsplash – Unsplash License, unsplash.com/license

Malik Abdullah Mazhar: Menschen aus dem Mittleren Orient haben Deutschland viel zu bieten

  • Tim Gouw / Unsplash – Unsplash License, unsplash.com/license
  • 14. Januar 2019

Hass auf Migranten macht uns alle zu Verlierern. Warum wir gerade die geregelte Einwanderung nach Deutschland unterstützen sollten, erklärt Politikwissenschaftler Malik Abdullah Mazhar, der an der Bertelsmann Stiftung forschte.

change | Malik, du wurdest in Pakistan geboren. Wie kamst du nach Deutschland?

Malik Abdullah Mazhar | Bis ich 24 wurde, lebte ich in Pakistan. Im August 2015 kam ich für mein Master-Studium der Politikwissenschaften nach Deutschland. Ich wollte raus aus meiner Komfortzone: Nach dem Bachelor wusste ich schon, dass ich für den Master ins Ausland wollte. Gründe dafür waren meine Neugierde auf fremde Kulturen und dass ich woanders etwas lernen wollte, womit ich meine Heimat bereichern könnte. Deshalb bewarb ich mich an Universitäten überall auf der Welt und an zwei deutschen Hochschulen klappte es dann. 

Der Forscher Malik Abdullah Mazhar

Malik Abdullah Mazhar

… studierte in Islamabad und Erfurt, wo er seinen Master in „Public Policy“ erhielt. Bei der Bertelsmann Stiftung forschte er zu Migrationsthemen und veröffentlichte ein Forschungspapier zu Migrationsmustern zwischen Pakistan und Deutschland. Mehr Informationen über Malik Abdullah Mazar gibt es hier.


Meine Wahl fiel auf die Universität Erfurt, die mich durch ihre Vielfalt überzeugte. Ein Studium in Deutschland war im Hinblick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis die beste Entscheidung. Außerdem war ich schon immer von Deutschlands Geschichte, Kultur und politischer Entwicklung fasziniert.

Wie waren die ersten Monate für dich?

Wahrscheinlich sind die ersten Monate in einem neuen Land immer etwas schwierig. Bevor ich ankam, wusste ich allerdings nicht viel über die Flüchtlingspolitik in Deutschland. Es war in der Tat kein einfacher Zeitpunkt, um in Ostdeutschland zu studieren. Auch in Erfurt wurden rechtsradikale Bewegungen stärker. Andererseits waren auch die neue Lebensart, die Sprachbarriere und sogar die ungewohnten Wetterverhältnisse eine Herausforderung für mich. 

Umso mehr spornten mich diese Hürden an, mich in meiner neuen Heimat zu beweisen. Ich lernte durch lokale Initiativen Migranten und Muttersprachler aus Erfurt kennen und erhielt für mein soziopolitisches Engagement ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung. Während ich selbst Anschluss fand, wurde auch die Forschung im Bereich „Migration und Integration“ allmählich meine Nische.

Du hast unter anderem auch an einem Forschungsprojekt der Bertelsmann Stiftung mitgewirkt. Wie kam es dazu?

Im Oktober 2017 begann ich mein Praktikum im Projekt „Migration fair gestalten“ der Bertelsmann Stiftung. Als internationaler Student mit eingeschränkten Deutschkenntnissen war es ein großer Schritt, mit einer so reputationsträchtigen Organisation arbeiten zu dürfen. 

Das Projektteam bot mir auf meine Initiativbewerbung hin eine Forschungsstelle für drei Monate an. In Begleitung der Experten erforschte ich Migrationsmuster zwischen meiner Heimat Pakistan und Deutschland. Das Forschungspapier, das ich selbstständig verfasste, ist mittlerweile veröffentlicht. Wenn Migration fairer gestaltet wäre, ließe sich für Migranten, Herkunfts- und Ankunftsland noch einiges herausholen – der sogenannte „Triple Win“.

In den letzten drei Jahren lag mein Forschungsschwerpunkt auf der Integration durch die Nutzung von Potenzialen und Fähigkeiten der Neuankömmlinge. Diese Arbeit auf einem so professionellen Level fortsetzen zu können, war sehr faszinierend und befriedigend. Ich konnte schnell einiges an Verantwortung übernehmen und hatte schließlich die Gelegenheit, im Laufe eines Jahres in drei verschiedenen Abteilungen der Bertelsmann Stiftung mitzuwirken.

Was sind deine nächsten Ziele?

Aktuell bewerbe ich mich auf einen neuen Job. Hier ist vor allem die verbleibende Sprachbarriere ein Hindernis. Mein Ziel ist es, langfristig in der Entwicklungspolitik zu arbeiten, am liebsten mit Fokus auf Asien. So bleibe ich mit meiner Herkunft in Verbindung und kann gleichzeitig von meinem multikulturellen Profil Gebrauch machen. Um das zu erreichen, arbeite ich gerade vor allem an meinen Sprachkenntnissen. Allerdings muss ich schon bald einen Job in meiner Branche finden, um in Deutschland bleiben zu dürfen – so lauten die Bedingungen für die Aufenthaltsgenehmigung.

Migration ist ein heiß diskutiertes Thema in Deutschland. Was würdest du dir für die Zukunft wünschen?

Deutschland hat schon immer stark von Einwanderung profitiert. In meiner Forschung zeigte sich unter anderem, dass der behördliche Rahmen für die Immigration von Fachkräften zu komplex ist. Gerade im Hinblick auf den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften sollten diese Richtlinien überdacht werden.

Länder wie Pakistan, die einen hohen Anteil Jugendlicher in ihrer Bevölkerung aufweisen, haben Deutschland hier einiges zu bieten. Auch weil die geregelte Migration hier eine große Hürde darstellt, werden illegale Zuwanderungswege nach Deutschland beliebter. Hier lässt sich auf beiden Seiten ansetzen: Illegale Migration bekämpfen und geregelte Einwanderung unterstützen. Davon können alle profitieren!

Mehr zu fairer Migration? Dieses Projekt setzt sich für besseres Zuwanderungsmanagement und konstruktive Asylpolitik ein.