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change Magazin – Das Magazin der Bertelsmann Stiftung

Nach dem Sturz von Yahya Jammeh: Warum Gambias Frauen kämpfen müssen

Die gambische Frau Soma Njie in einem bunten Raum Ulfert Engelkes

Gleichberechtigung in Gambia: Ciao diskriminierende Gesetze!

  • Ulfert Engelkes
  • 18. Juni 2019

Nach 22 Jahren brutaler Diktatur wird Gambia Schritt für Schritt eine Demokratie. Mit dem Machtwechsel fordern die Frauen des Landes nun ihre Rechte. Doch im streng patriarchalisch geprägten Gambia gibt es beim Thema Gleichberechtigung noch jede Menge zu tun.

Lange herrschte große Angst in Gambia: 22 Jahre lang war Präsident Yahya Jammeh an der Macht und regierte das Land mit eiserner Faust. Er ließ Kritiker und politische Gegner einsperren, viele sprachen von Folter. Doch 2016 fand eine friedliche Revolution statt, die darin gipfelte, dass Jammeh die folgenden Wahlen verlor. Gambia wählte unter hoher Wahlbeteiligung Adama Barrow zum neuen Präsidenten.


Umfassende Diskriminierung von Frauen

Gambias junge Demokratie geht in eine vielversprechende Richtung. Allerdings gibt es in dem westafrikanischen Land traditionell eine streng patriarchalische Gesellschaft, in der Kultur und Religion männliche Vorherrschaft verstärken. Gambische Frauen haben eine schlechte Stellung in der Gesellschaft und erfahren umfassende Diskriminierung.

Die Flagge der Europäischen Union auf dem Cover des change Magazins

Ein Fenster zur Demokratie

Mit Visionen für eine demokratische und sozial gerechte Gesellschaft: Wie sich die Menschen in Gambia für die Demokratie einsetzen. Ausführlich im change Magazin 1/2019.

20 Prozent aller Frauen in Gambia erleben während ihres Lebens physische und/oder sexuelle Gewalt durch Männer. 75 Prozent der Mädchen und Frauen sind weiblicher Genitalverstümmelung ausgesetzt. Das heißt, dass ihnen Teile der Sexualorgane entfernt werden. Der Eingriff ist extrem gefährlich, die Folgen quälen die Betroffenen oft ein Leben lang.

Große Hürden für angehende Politikerinnen

Die politische Teilhabe von Frauen ist ein weiteres Problem. Im globalen Vergleich ist Gambia das sechstschlechteste Land für Frauen, um Politikerin zu werden. Wenige weibliche Abgeordnete im Parlament und auf Ministerposten, eine niedrige Alphabetisierungsrate und geringe Selbstbestimmung verdüstern die Aussichten gambischer Frauen auf eine politische Karriere.


Dennoch sind Frauen inzwischen besser in der Politik vertreten und stärker an ihr beteiligt, zum Beispiel durch spezielle Trainings für aufstrebende weibliche Wahlkandidaten. Viele Resolutionen im gambischen Parlament zielen außerdem darauf ab, Frauen in Wahlverfahren und auf allen Entscheidungsebenen im Land einzubeziehen. Das geht jedoch ziemlich langsam voran.

Sexistische Gesetze reformieren

Gambia hat sich außerdem zur Aufgabe gemacht, Frauen ins Justizsystem einzubeziehen und so die Diskriminierung dort zu verringern: Die Hälfte aller neuen Posten an den Obersten Gerichten unter der neuen Regierung stellen Frauen. Das Land will auch Gesetze aufheben oder reformieren, die Frauen diskriminieren.

Die Genitalverstümmelung hat der scheidende Präsident Jammeh zwar 2016 offiziell verboten, aber das Verbot wird bei Weitem nicht konsequent durchgesetzt. Trotzdem vorgenommene Verstümmelungen werden kaum bestraft. Dennoch setzt das Gesetz ein Zeichen: Das Ritual ist nicht mehr so weit verbreitet wie früher, und viele Initiativen kämpfen gegen den illegalen Eingriff an.

Auf Gambia lastet das schwere Erbe der Jammeh-Diktatur, 22 Jahre Missmanagement und Veruntreuung haben ihre Spuren hinterlassen. Doch der bisher erfolgreiche demokratische Übergang deutet auf eine bessere Zukunft für die Gambierinnen und Gambier hin.

Wie steht es um die Entwicklungs- und Transformationsländer in der Welt? Das untersucht die Bertelsmann Stiftung im Projekt „Transformation Index BTI“. Der Bertelsmann Transformation Index vergleicht die Qualität von Demokratie, Marktwirtschaft und Regierungsführung in 137 Entwicklungs- und Transformationsländern.