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Coworking auf dem Land: Vorteile von Shared Workspaces

Coworking-Kollegen auf dem Land Andrii Zastrozhnov - stock.adobe.com

Frische Luft und frische Ideen: Wie Coworking deutsche Dörfer rettet

  • Andrii Zastrozhnov - stock.adobe.com
  • 22. Januar 2021
Bei Coworking denkst du an hippe Großstadtcafés oder durchdesignte Coworking-Spaces in Metropolen? Coworking findet aber auch da statt, wo du es vielleicht am wenigsten vermutest.

Nicht nur in größeren Städten und Metropolen finden Menschen Angebote für mobiles und flexibles Arbeiten. Coworking findet längst auch auf dem Land statt. Immer mehr Coworking-Spaces eröffnen jenseits der großen Städte und bieten Platz für die „neuen Landarbeiter:innen“. Kann diese ländliche Perspektive neue Möglichkeiten eröffnen?

Ein Bindestrich macht den Unterschied: Coworking oder Co-Working? 

Mit dem Begriff Coworking ist es so wie mit New Work: Alle reden darüber, aber jede:r meint damit etwas anderes. Es fängt schon bei der Schreibweise an: „Co-Working“, so finden Expert:innen der Bertelsmann Stiftung, kann überall da stattfinden, wo es eine Internetverbindung gibt und man den Laptop aufklappen kann – egal, ob das an der Strandbar ist oder in einem professionellen Co-Working-Space. „Coworking“ ohne Bindestrich hingegen ist noch mehr.
 

Coworking auf dem Land

Dieses Dorf hat genau das, was dir in der Großstadt fehlt


Coworking ist mehr als nur ein gemeinsamer Arbeitsraum

 „Ein Coworking-Space ist als ein Ort zu verstehen, an dem Menschen zusammenkommen, um gemeinsam, aber nicht unbedingt miteinander zu arbeiten“, fasst es Tobias  Kremkau vom Institut für Neue Arbeit zusammen. Es geht also um Vernetzung. Menschen, die Coworking-Spaces nutzen, setzen auf Austausch mit anderen, mit denen sie üblicherweise nicht zusammenarbeiten würden. Was früher vor allem in den Großstädten stattfand, boomt mittlerweile im ländlichen Raum – und wird dort sogar weiterentwickelt.
 

Wer sind diese neuen Landarbeiter:innen?

Ländliche Coworking-Spaces werden vor allem von Selbstständigen genutzt. Wie viel Prozent der Gesamtnutzer:innen machen sie aus?
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40 Prozent der neuen Landarbeiter:innen sind selbstständig. Die zweitgrößte Gruppe sind Angestellte (35 Prozent). 21 Prozent gaben an, in einem sonstigen Beschäftigungsverhältnis zu stehen, 4 Prozent waren angestellt und selbstständig zugleich.

Du willst mehr über diese neuen Landarbeiter:innen erfahren? Klicke unten auf „Weiter“!

Unsere Studien und Publikationen zum Thema

Coworking im ländlichen Raum

Das Phänomen Coworking ist aus den Metropolen der Welt mittlerweile nicht mehr wegzudenken und die Auswirkungen dieser neuen Orte des…

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1. Auflage 2020

In 2-3 Tagen lieferbar

Coworking im ländlichen Raum

Das Phänomen Coworking ist aus den Metropolen der Welt mittlerweile nicht mehr wegzudenken und die Auswirkungen dieser neuen Orte des Arbeitens sind inzwischen so konkret geworden, dass sie dabei sind, das gewohnte Immobiliengefüge in großen Städten neu zu ordnen. In deutschen Großstädten beobachteten wir daher einen starken Zuwachs an Coworking-Spaces und an anderen unterschiedlichen Facetten von Shared-Workspace-Angeboten für Menschen, die zeitweilig oder auch dauerhaft einen inspirierenden Arbeitsort außerhalb der eigenen vier Wände oder des Betriebes suchen. Uns stellte sich daher die Frage, ob und in welcher Form diese Art des „alleine zusammen Arbeitens“ auch auf den ländlichen Raum übertragbar ist. In unserer Trendstudie lassen sich zahlreiche Beispiele für derartige Neue Arbeitsorte auf dem Lande finden. Inwiefern unterscheiden sich aber die Nutzer:innentypen, die Geschäftsmodelle und die Beweggründe, einen Coworking-Space auf dem Lande einzurichten?

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Coworking auf dem Land ist vielfältiger als in der Stadt

Auf dem Land wird eine Sache mehr geschätzt als in der Stadt: Gemeinschaft. Deshalb spricht Coworking auf dem Land eine viel breitere Zielgruppe an. Nicht nur die üblichen Verdächtigen sind hier anzutreffen, sondern auch Lehrer:innen und Handwerker:innen, Menschen, die ein Bedürfnis nach Gemeinschaft haben und sich ihren Arbeitsort frei auswählen können. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung bezeichnet diese Menschen treffend als „neue Landarbeiter:innen“.

Vorteile von Coworking im ländlichen Raum

Coworking ist der Ressourcenschoner schlechthin: Menschen, die in Shared Workspaces arbeiten, sparen nicht nur Zeit (die sie vorher zum Pendeln zu ihrem Arbeitsplatz gebraucht haben) und Geld (für Fahrkarten oder das Auto), sondern tun auch etwas für die Umwelt. In Coworking-Spaces werden Ressourcen gemeinsam genutzt, sie verbrauchen weniger Strom als ein Einzelbüro und tragen durch weniger Pendelverkehr zur Einsparung von Kohlenstoffdioxid bei. Doch nicht nur die Umwelt profitiert, auch unsere geistige Gesundheit; wer Zeit am einen Ende spart, kann sie an einem anderen nutzen. So helfen Coworking-Spaces dabei, Arbeit und Leben besser zu vereinen.
 


Coworking am Beispiel von Hameln

Das niedersächsische Hameln liegt inmitten der Wörterbuchdefinition von „ländlichem Raum“. Die nächsten größeren Städte Hannover und Bielefeld liegen gut eine Autostunde entfernt – wenn kein Stau ist. Hier sind vor allem kleine und mittelständische Unternehmen zu Hause. Und seit diesem Jahr auch ein Coworking-Space: Direkt im Bahnhof, wo früher eine Disco betrieben wurde, öffnet im Frühjahr 2021 das Zentrum für digitale Transformation (ZediTA) seine Türen. Hier sollen nicht nur Arbeitsplätze entstehen, sondern auch Workshops, Vorträge und Events stattfinden. Das Projekt haben die Stadt Hameln, die Uni und der Landkreis gemeinsam auf die Beine gestellt und wollen so etwas vorantreiben, was in „traditionellen“ Co-Working-Spaces zu kurz kommt: die Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Kommune.
 

Von der Disco zur disruptiven Innovation

Wusstest du, dass die Sage vom Rattenfänger von Hameln mehr als eine Milliarde Menschen kennen? Nicht ganz so viele dürften wissen, dass sich in Hameln so einiges in Sachen Coworking tut: Früher war die Disco im Bahnhof Ort zum Kennenlernen für Feiernde, heute vernetzen sich in diesen Räumen Unternehmer:innen, Start-ups und Studierende. Mehr über das Coworking-Wunder von Hameln liest du in der PDF-Ausgabe des change Magazins.


Coworking als Rettungsring für sterbende Kommunen

Was Coworking für sogenannte strukturschwache Regionen bedeuten kann, zeigt sich an der belebenden Wirkung dieser neuen Arbeitsorte. Wissensaustausch, persönliche Beziehungen und Vernetzung stärken die Gemeinschaft vor Ort. Die Abwanderung von Arbeitskräften könnte so ein Stück weit aufgehalten werden. Denn mal ehrlich: Es gibt Dinge, die sind auf dem Land einfach schöner als in der Stadt.

Wer sind die neuen Landarbeiter:innen? Dieser Frage geht die Studie „Coworking im ländlichen Raum“ nach. Das Projektteam „Betriebliche Arbeitswelt in der Digitalisierung“ der Bertelsmann Stiftung analysiert darin nicht nur zwölf Typen der neuen Landarbeiter:innen, sondern wirft auch einen Blick auf neue Arbeitsorte und Coworking-Gründungen.