Nationales Engagement
Hilfe für die Helfer
Ein Meister aus dem Betrieb engagiert sich in seiner Freizeit für Natur- und Gewässerschutz. Eine Team-Assistentin vermittelt Omas. Und eine körperbehinderte Mitarbeiterin berät neben dem Job noch Menschen mit Handicap. – Mit der Initiative „Mitarbeiter im Team“ (MIT) fördert Henkel soziales Engagement, steigert die Motivation und stärkt die Identifikation mit dem Unternehmen
Ein silberner Kombi rollt durch die Einfahrt auf den Parkplatz des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben in Düsseldorf-Flehe. Die Frau am Steuer bremst und hilft ihrer Beifahrerin in den Rollstuhl. „An guten Tagen setze ich mich selbst hinters Lenkrad“, wird Katja Fellenberg später sagen. Jetzt wartet sie darauf, dass ihre Assistentin ihr aus dem Auto hilft. Ein zweites Frauenpaar flitzt auf den Hof. Die eine, mit rotblondem Kurzhaar, steuert ihren Elektrorollstuhl mit links, die andere, ihre Assistentin, hat ihr die Hand auf die Schulter gelegt und lässt sich auf ihrem Cityroller ziehen. Lachend begrüßen sich die vier, es geht über eine Rampe nach oben zur gläsernen Eingangstür mit den provisorisch auf Papier gedruckten Buchstaben „ZSL“. Ihr ganzer Stolz: Das erste eigene Büro des Düsseldorfer Zentrums für Selbstbestimmtes Leben. Eingerichtet hat es der gemeinnützige Verein mit Hilfe der MIT-Initiative von Henkel. Mitarbeiter im Team (MIT) fördert das ehrenamtliche Engagement von Henkel-Angestellten. Katja Fellenberg ist beim Konzern beschäftigt.
„Wir haben uns für den Farbton Champagner entschieden“, sagt die 28-Jährige und deutet auf die frisch gestrichenen Wände des freundlich wirkenden Büros. Viele Möbel gibt es noch nicht: zwei Regale, einen Tisch, ein Sofa. „Das ist für die Begleitpersonen. Meistens kommen die Mütter unserer Klienten mit zu den Beratungsgesprächen“, erklärt Patrizia Kubanek, die Frau im Elektrorollstuhl. Für viele Eltern behinderter Menschen sei es schwer, wenn sich ihre Kinder für ein Leben in den eigenen vier Wänden und mit selbst organisierter Hilfe entscheiden. Katja Fellenberg ist vor zwei Jahren zu Hause ausgezogen. Jetzt genießt sie das ganz normale Eltern-Kind-Verhältnis, „ohne die Spannungen, die aus einer Pflegeabhängigkeit zwangsläufig entstehen.“ Auch dabei berät das ZSL, vor allem aber in der Planung des sogenannten persönlichen Budgets. Katja Fellenberg erklärt: „Das ist eine Form der Unterstützung, die von verschiedenen Kostenträgern gezahlt wird, etwa Kommunen, Pflege- oder Integrationsämtern, um den Hilfebedürftigen zu unterstützen.“ Hauptträger ist in NRW der Landschaftsverband. Im Klartext: „Es wird geschaut, wie viel Hilfe ein behinderter Mensch benötigt, wie viel Unterstützung er braucht. 20 Stunden zum Beispiel oder auch 24 Stunden – rund um die Uhr, diesen Bedarf haben wir beide auch.“ Sie nickt Patrizia Kubanek zu.
Die beiden erzählen mit leuchtenden Augen von ihrer Beratungstätigkeit, oft beginnt die eine einen Satz, und die andere führt ihn fort. Sie sind fast gleich alt, kennen sich von einer Schule für Körperbehinderte in Köln. Kubanek studierte, Fellenberg machte ihre Ausbildung bei Henkel. „Vor zwei Jahren haben wir uns hier im Verein wiedergefunden“, freut sich Katja Fellenberg. Damals habe sie sich beim ZSL erkundigt, wie man sein Leben mit Hilfe einer selbst beauftragten Assistentin in Eigenregie gestalten könne – und sei dann selbst als Beraterin weitergeschult worden. Bis dahin hatte sie nur ganz vage Informationen über diese Art der Unterstützung gefunden.
Das Modell der persönlichen Assistenz gebe es schon länger, sagt Patrizia Kuba-nek. „Das persönliche Budget ist seit 2008 Gesetz. Es ermöglicht dem Unterstützungsnehmer, seine Hilfsleistungen selbst einzukaufen und zu planen. Wir im ZSL helfen bei der Budgetplanung, denn für jemanden, der zum Beispiel nur einen Anspruch von zehn Stunden Hilfe pro Tag hat, kann das am Anfang schwierig sein.“ Das Beratungskonzept setzt auf langfristige Begleitung der Ratsuchenden, „ganz gleich mit welcher Behinderung, auch das zeichnet uns aus. Wir machen keinen Unterschied zwischen Körper- und geistiger Behinderung oder Lernschwäche.“
Das wichtigste am ZSL ist die Unabhängigkeit von Kostenträgern und Dienstleistern. „Und unser Wissen, was Budgetfragen betrifft, das haben immer noch erstaunlich wenige Beratungsstellen“, fügt Katja Fellenberg hinzu. Ihre kaufmännischen Kenntnisse aus ihrer Ausbildung nützen ihr für die Tätigkeit beim ZSL. Und die Beratungsgespräche, sagt sie, machen sie glücklich und sind eine sehr schöne Ergänzung zu ihrem Job bei Henkel.
Im Konzern arbeitet sie als Assistentin im Team für Global Diversity and Corporate Citizenship. Zwei Türen weiter hat Markus Dinslacken sein Büro. Er leitet das globale Spendenmanagement des Unternehmens. Die MIT-Initiative ist seit 1998 der Kern des gesellschaftlichen Engagements von Henkel. Im Bereich Spendenmanagement gebe es zwei Standbeine, erklärt Dinslacken. Das eine seien Unternehmensspenden und Hilfsprojekte aus den drei Unternehmensbereichen Wasch-/Reinigungsmittel, Kosmetik/Körperpflege und Klebstoff. Und das andere sei die Unterstützung der privaten ehrenamtlichen Tätigkeit von Henkel-Mitarbeitern. „Wir fördern damit, dass Menschen privat Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen“, sagt Markus Dinslacken. Dazu gehören auch Pensionäre.
Nadine Frey betreut die MIT-Initiative seit vier Jahren. Der Anteil an Förderungen für aktive Mitarbeiter liege bei etwa 60 Prozent, sagt sie, in den übrigen Projekten werde das Engagement von Ruheständlern unterstützt. „Wir kennen jeden mit seinem geförderten Projekt persönlich, viele begleiten wir schon seit Jahren. Alles fing hier in Düsseldorf an, wurde kurze Zeit später bundesweit und an den internationalen Unternehmensstandorten ausgeweitet.“ Eine Mitarbeiterin ist beispielsweise medizinisch-technische Assistentin und verbringt ihren Jahresurlaub jedes Jahr im November in Nepal, wo sie bis zu 700 Kinder aus Bergdörfern medizinisch betreut. Dafür stellt Henkel nicht nur finanzielle Mittel – zum Beispiel für medizinische Geräte und Medikamente – zur Verfügung, sondern die Ehrenamtlerin kann auch fünf Arbeitstage zusätzlich frei nehmen. „Oder wir bieten Flexibilität der Arbeitszeiten an. Wenn Frau Fellenberg etwa ein Vorstandstreffen des ZSL vorbereitet, arbeitet sie eben an den Tagen davor und danach etwas länger und nimmt sich dafür einen halben Tag Zeit für den Verein.“ Die MIT-Förderantragsformulare sind unkompliziert gehalten, um jeden Mitarbeiter zu ermutigen, sein Ehrenamt fördern zu lassen. Nadine Frey berät engagierte Menschen vom Azubi in der Produktion bis zum Topmanager. „Manchmal helfen wir sogar, eine neue Ehrenamtsidee auf den Weg zu bringen.“
So konnte mit Hilfe der MIT-Initiative der Verein „Wahlverwandtschaften“ entstehen. Die Idee: als Reaktion auf die Veränderungen in unserer Gesellschaft den Kontakt herstellen zwischen erwachsenen Menschen, die sich in ihrer Nähe sozusagen Ersatz-Verwandte wünschen. Salima Douven hat den Verein mit einer Fachkollegin aus Studienzeiten initiiert. Die 33-Jährige arbeitet bei Henkel im Bereich New Media Management für Konsumentenklebstoffe. „Meine Mitstreiter im Vereinsvorstand und ich kommen alle nicht aus Sozialberufen“, aber sie waren überzeugt von ihrer innovativen Idee für neue Sozialstrukturen. „Vor allem am Anfang, sogar bevor wir als gemeinnütziger Verein anerkannt wurden, hat mir die ehemalige Leiterin des Spendenmanagements bei Henkel geholfen. Sie hat uns bei den Überlegungen beraten, wie wir unsere Idee umsetzen und welche Infrastrukturen wir in den Städten nutzen könnten.“
Die Nachfrage nach Wahlverwandten wuchs rasant, erinnert sich Salima Douven. Zum ersten Standort Mönchengladbach kamen Krefeld, Freiburg und neuerdings auch Aachen. Auf das aktive Kennenlernen kommt es an. Das sei auch der Unterschied etwa zu einer Partnervermittlung oder einer Patenkinderbörse. „Wir wählen nicht passende Personen aus, sondern wir bieten die Plattform für das aktive Kennenlernen mit dem Ziel, familienähnliche Bindungen aufzubauen.“ Für die monatlichen Wahlverwandten-Treffen müssen Moderatoren gefunden werden. Das machen Salima Douven und ihre Mitstreiter selbst, oder es können auch die Interessenten sein.
Es ist 21 Uhr abends, Salima Douven hat sich in einem Krefelder Café mit der Leiterin der dortigen Wahlverwandtschaftsgruppe verabredet. Regina Horch hatte vor knapp zwei Jahren in der Zeitung von der Initiative gelesen, ging mit ihrer damals 26-jährigen Tochter zum Informationsabend. „Ich war immer heiß auf Omis“, lacht sie. „Ich selbst bin mit einer Großmutter aufgewachsen. Kuchen backen, Geschichten erzählen – meine Kinder hatten das weniger. Meine eigene Mutter lebte weit weg, die Mutter meines Mannes war schwer krank. Wir haben uns immer jemanden in der Nähe gewünscht.“ Eine „Wahl-Oma“ hat Regina Horch nicht gefunden, „meine Kinder sind auch schon zu groß. Aber ich freue mich, dass ich anderen bei der Suche nach Wahlverwandten helfen kann.“
Wie viele Wahlverwandte sich über den Verein wirklich schon gefunden haben, kann Salima Douven nicht sagen. „Damit aus Freundschaft wirklich die Entscheidung für eine wahlverwandtschaftliche Bindung entsteht, muss vielleicht mehr Zeit vergehen als nur zwei Jahre. Aber zumindest von glücklichen Begegnungen hören wir dauernd.“ Die Freude darüber und das Interesse ihres Arbeitgebers an ihrem Ehrenamt bereichere ihre berufliche Tätigkeit.
Das Gleiche sagt auch Frank Kleinwächter: „Man geht gern zur Arbeit, wenn man sich auch mit seinem privaten Engagement akzeptiert fühlt.“ Kleinwächter ist Teilbereichsmeister Instandhaltung bei Henkel und gleichzeitig Hobbyangler. „Zum Angeln gehört auch der Natur- und Gewässerschutz, das wissen die wenigsten.“
Kleinwächters Verein Petri Heil 04 in Düsseldorf-Wersten hat einen gut sieben Hektar großen See gepachtet, eine ehemalige Kiesgrube, wie es im Rheinland Hunderte gibt.
Fliegende Fische
Im Schilf geschützt, beobachtet ein Teichhuhnpärchen die Besucher, die am Ufer entlanglaufen. Die zehnjährigen Zwillinge Ben und Mark sind mit einem Einmachglas und Becherlupen unterwegs zum Bootssteg, um Wasserproben zu nehmen. Ein Maschendrahtzaun schützt das Gewässer, gleich dahinter liegt ein Neubaugebiet. Hier wohnen die 40 Kinder, die beim Naturschutzprojekt „Fliegende Fische“ des Angelsportvereins mitmachen. Frank Kleinwächter leitet die Gruppe seit ihrer Gründung 2009. „Ohne die MIT-Unterstützung und das Startkapital für die „FliFis“ hätte ich nie die Akzeptanz im Verein für ein Nachbarschaftsprojekt dieses Volumens bekommen“, sagt Kleinwächter.
Die „FliFis“ kümmern sich nicht nur um Lebensraum für Fische. Sie bauen Nistkästen und hängen sie in den Nachbargärten auf, ein Biotop am Rande des Sees ist Heimat für Insekten, Frösche und Molche. Dafür hat die Gruppe 2011 vom Verein deutscher Sportfischer den Jugend- und Naturschutzpreis bekommen. „Wir richten uns besonders auch an kleinere Kinder. Wenn ein Kind mit sechs Jahren reif für die Schule ist, dann kann es auch schon die ersten Zusammenhänge im Naturschutz verstehen.“
Die nächste Aktion der Fliegenden Fische ist eine Gewässeruntersuchung im nahen Bachlauf. Ben und Mark üben das schon mal am Vereinssee. „Aber pssst“, sagen sie. Nicht so viel am Steg rütteln und nicht die Füße ins Wasser hängen. Nicht mal im Sommer? Mark blickt ernst durch seine Kinderbrille: „Das stört doch die Fische.“ ][
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Dr. Michael Otto
Ein Unternehmer und seine zahlreichen Projekte
Henkel
Das 1876 gegründete Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf ist weltweit mit führenden Marken und Technologien in den Geschäftsfeldern Wasch-/Reinigungsmittel, Kosmetik/Körperpflege und Adhesive Technologies (Klebstoff-technologien) tätig. Von rund 48.000 Mitarbeitern sind 80 Prozent außerhalb Deutschlands tätig. Henkel spendete im Jahr 2010 – vor allem durch die Initiative MIT (Miteinander im Team) 6.087.000 Euro, förderte 2.493 Projekte und erreichte damit insgesamt 730.000 Menschen
Info: www.henkel.de/smile
Kontakt zu den vorgestellten Projekten:
www.zsl-duesseldorf.de
www.wahlverwandtschaften.org
www.flifis.de
Bundesweites Engagement
Unter www.csrgermany.de haben die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) als Spitzenorganisationen der deutschen Wirtschaft alle Informationen und Adressen rund um das Thema CSR zusammengefasst.
Unter www.csr-in-deutschland.de informiert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales über das Thema Corporate Social Responsibility (CSR) und stellt unter anderem einzelne Handlungsfelder vor. Noch mehr Praxisbeispiele und Ideen gibt das Projekt der Bertelsmann Stiftung „Mein gutes Beispiel“:
www.mein-gutes-beispiel.de.









