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Einen Verein gründen: Warum das überhaupt nicht spießig ist

Ein Zusammenschnitt aus einer Sepiafotografie des Vereins deutscher forstlicher Versuchsanstalten und einem Foto eines Urban-Gardening-Projekts. Wikimedia Commons / Adobe Stock – AYAimages

Einen Verein gründen: Warum das überhaupt nicht spießig ist

  • Wikimedia Commons / Adobe Stock – AYAimages
  • März 2018

Vereine haben nichts mit Spießigkeit zu tun – im Gegenteil. Sie helfen Menschen, gemeinsame Ziele zu erreichen und sind ganz leicht zu gründen.

Wenn wir heute das Wort "Verein" hören, denken wir zuerst an Schrebergärten, Vereinsheime mit Bockwurst und Bier und an dicke alte Männer. Kurzum - die vermeintlich typisch deutsche Spießigkeit.

Aber das Bild im Kopf ist schief. Ein Verein ist am Ende nur ein Rechtsgerüst: Menschen tun sich zusammen, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen, sich gesellschaftlich zu engagieren oder schlicht ihren Interessen zu folgen. 

Das können die Klassiker sein: Fußball, Chor, Karneval. Die Seite guetersloh-tatkraeftig.de zeigt viele verschiedene Beispiele, für soziales Engagement (nicht nur) in Vereinen.

Ein Feuerwehrmann im Porträt.

So viele Menschen engagieren sich in Deutschland!


In Wahrheit geht aber noch viel mehr:

Sechs wichtige Vorteile eines Vereins

#1 Sicherer Rechtsstatus: Vereine sind eine anerkannte Rechtsform (sogenannte juristische Personen). Sie können jede Art von Verträgen eingehen – also zum Beispiel Räume mieten. Die Mitglieder haften nur bei groben Pflichtverletzungen persönlich.

#2 Transparente Finanzen: Vereine können eigene Konten führen. So müssen einzelne Mitglieder keine finanziellen Risiken eingehen und zugleich ist der Zugriff auf das Vereinsgeld klar geregelt.

#3 Spenden und Projektzuschüsse: Unzählige Firmen, Organisationen und Privatpersonen stellen Spenden oder Fördermittel für Vereine bereit, die gesellschaftlichen oder sozialen Zielen dienen.

#4 Staatliche Förderung: Wenn Vereine nachweisen können, dass sie gemeinnützig sind (also allen Menschen offen stehen und der Gemeinschaft dienen), sind viele ihrer Einnahmen von der Steuer befreit oder es gilt ein ermäßigter Steuersatz.

#5 Geringer Aufwand: Einen Verein zu gründen ist vergleichsweise einfach und nicht teuer. So lange die Mitgliederzahl überschaubar bleibt, ist ein Verein auch relativ pflegeleicht.

#6 Mitgestaltung: Wer sich in einem Verein engagiert, kann wirklich Veränderung bewirken – in Eigenregie oder in einem Netzwerk aus Gleichgesinnten.


Verein gründen – so geht's

  1. Sieben Freundinnen und Freunde müsst Ihr sein: So viele Personen braucht es mindestens, um einen Verein zu gründen. Später können es dann sogar nur noch drei sein.
  2. Satzung schreiben: Darin stehen die Ziele des Vereins, der Ort des Vereinssitzes, die Höhe der Mitgliedsbeiträge und Regelungen zur Wahl des Vorstandes und zur Mitgliederversammlung. Im Netz gibt es viele Mustersatzungen, die als Vorlage dienen können.
  3. Es muss ein Vorstand gewählt werden: Es reicht eine Person, in vielen Vereinen sind es aber drei bis fünf. Es gibt, anders als oft vermutet, auch keine Pflichtämter wie "Kassenwart" oder "Schriftführer".
  4. Vereinsnamen finden: Dieser muss sich von anderen Vereinsnamen eindeutig unterscheiden und darf nicht irreführend sein. Und es ist auch keine gute Idee, den Verein nach einem globalen Hersteller von zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken zu benennen.
  5. Verein eintragen lassen: Der gewählte Vorstand lässt den Verein eintragen (in den meisten Kommunen beim Amtsgericht). Die Anmeldung muss dann von einem Notar beglaubigt werden. Insgesamt kostet das zwischen 90 und 140 Euro.

Mehr über die Vereinsgründung erfahren

Je nach konkreten Zielen und Zusammensetzung können eine Reihe von zusätzlichen Regelungen und Empfehlungen zu beachten sein. Im Netz gibt es viele Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit wertvollen Hinweisen. Stichworte für die Suche können sein "Verein gründen wie", "Arten von Vereinen" oder "Vereinsgründung Mustersatzung".

Weiterlesen? Zusammen mit ZIVIZ (Zivilgesellschaft in Zahlen) beschäftigt sich die Bertelsmann Stiftung damit, wie viele Menschen sich in Deutschland engagieren und warum. Hier geht's zum Projekt.