Das Magazin der
Bertelsmann Stiftung

Christiane Falge trinkt aus einer Kaffeetasse und lacht in die Kamera. Sebastian Pfütze

Integration

Warum diese Professorin bei einer Flüchtlingsfamilie in Bochum übernachtet

  • Tanja Breukelchen
  • Sebastian Pfütze
  • Bochum
  • September 2016

In einem Holzhaus ohne warmes Wasser, ohne Telefon. So wohnte Christiane Falge während ihres Studiums der Social Anthropology in Äthiopien. Sie lebte in Flüchtlingscamps in Afrika und wohnte in einer WG in den USA mit ehemaligen Kindersoldaten. Damals forschte sie über die südsudanesischen Nuer-Flüchtlinge.

Heute forscht sie in der Bochumer Hustadt. Warum?

Das Viertel hat einen Migrantenanteil von 80 Prozent. Hier leben Menschen aus über 40 Nationen. Christiane Falge will wissen: Welchen Zugang haben die Menschen in der Hustadt zum Gesundheitssystem? Welche eigenen Heilmethoden nutzen sie, die wir in unserer Gesellschaft gar nicht kennen? Was wissen sie über das deutsche Gesundheitssystem? Was über Versicherungen, Hilfen, Fachärzte? Reicht ihr Deutsch, um einen Arzt aufzusuchen und mit ihm über Symptome und Therapiemöglichkeiten zu reden?

„Mit den Menschen wohnen ist Teil meiner Forschung“

Christiane Falge möchte auf diese Barrieren aufmerksam machen. Dazu hat die Professorin für Gesundheit und Diversity ein Quartierlabor aufgebaut. In dem kleinen Seminarraum trifft sie regelmäßig Studenten und Interessierte, bespricht mit ihnen theoretische Grundlagen für die Feldforschung in der Hustadt und erarbeitet Fragetechniken. Direkt vor der Tür beginnt die Praxis: Im Bürgertreff nebenan kommen Studenten und Anwohner ins Gespräch.

Zwei Nächte die Woche übernachtet Christiane Falge bei einer Familie, die aus Syrien hierher geflüchtet ist. „Egal, wo auf der Welt ich war, mit den Menschen zu wohnen, war immer Teil meiner Forschung“, sagt sie.