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Deutschland feiert… Opferfest! Das wichtigste Fest des Islams

Personen beten auf den Knien in einer Moschee Adobe Stock/tolin

Deutschland feiert … Opferfest! Das wichtigste Fest des Islams

  • Adobe Stock/tolin
  • 21. August 2018

Ein Fest zu allen Jahreszeiten: Das Opferfest Eid al-Adha beginnt jedes Jahr an einem anderen Datum, aufgrund des Mondkalenders meistens elf Tage früher als im Vorjahr. Dieses Jahr findet es vom 21.-24. August statt. Doch was feiern Muslime während des höchsten islamischen Opferfestes eigentlich? change Magazin verrät, was es mit Eid al-Adha auf sich hat und räumt mit den hartnäckigsten Mythen auf.

Es ist eine dieser Geschichten, die uns heute wie von einer anderen Welt erscheinen: Ein Vater bekommt von Gott den Auftrag, seinen eigenen Sohn zu töten – und obwohl er den Sohn liebt, ist er bereit, es zu tun. Erst im letzten Moment hält der Allmächtige ihn auf, denn er ist überzeugt vom Gottvertrauen des Vaters, der Ibrahim heißt. Sein Sohn Ismael bleibt am Leben, und als Dank opfert Ibrahim einen Widder, dessen Fleisch er unter Freunden und Bedürftigen verteilt – das erste Opferfest.

Ein gesegnetes Fest!

Zu Eid al-Adha wünscht man „ʿĪd mubārak“, was soviel bedeutet wie „gesegnetes Fest“. Auch zum Eid al-Fitr, dem Zuckerfest, wünscht man „ʿĪd mubārak“. Das Opferfest hat in vielen anderen Sprachen den gleichen Namen wie im Deutschen (Feast of the Sacrifice im Englischen, Kurban Bayramı im Türkischen), es gibt jedoch Ausnahmen: In Spanien nennt man es Fiesta del Cordero/Borrego (Fest des Lamms), genau wie in Ägypten, Saudi Arabien und im Mittleren Osten: Id ul Baqarah.

Eine Kalligrafie mit den Worten "Eid Mubarak"

 

Hingabe an Gott – egal ob Muslim, Jude oder Christ

Einigen wird die Begebenheit bekannt vorkommen, denn die christliche Religion kennt eine ähnliche Geschichte: die von Abraham und Isaak. Auch im jüdischen Glauben existiert das Ereignis. Die Hingabe an Gott und die Unterwerfung unter seinen Willen kennen die drei Religionen gleichermaßen. Gläubigen Menschen zeigt die Geschichte eindrucksvoll, dass sie Gott jederzeit absolut vertrauen sollen und können.

Heute gilt Muslimen in aller Welt das Opferfest als wichtigstes Fest, das über drei bzw. vier Tage andauert. Schon am Vortag, dem „Tag von Arafat“, beginnen die Rituale. Dieser Tag heißt deshalb so, weil sich an ihm alle Pilger am Berg Arafat treffen, wo sie von morgens bis abends beten. Denn Eid al-Adha ist für viele Muslime die Zeit, zu der sie sich auf Pilgerfahrt (Haddsch) nach Mekka begeben. Am „Tag von Arafat“ fasten viele Muslime, weil sie glauben, dass ihnen dadurch die Sünden im alten und neuen Jahr vergeben werden.

Eine Frau hält sich einen großen bunten Lutscher vors Gesicht.

Deutschland feiert … Zuckerfest! Und zwar jedes Jahr an einem anderen Tag


Ein riesiges Fest mit Familie und Freunden

In den Moscheen herrscht am ersten Tag des Opferfestes dichtes Gedränge, denn alle Muslime sind aufgerufen, zum Gebet zu erscheinen. Generell spielen Familie und Beisammensein zu Eid al-Adha eine große Rolle. Am Opferfest geht es um Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Versöhnung. Kinder kriegen Geschenke und alle kommen zum gemeinsamen Essen zusammen. Am Tisch findet sich nicht nur die Familie ein, sondern auch Freunde. Schon an den Tagen vor dem Fest werden viele leckere Speisen vorbereitet, gekocht und gebacken. Neben Gebäck und Süßigkeiten gibt es auch jede Menge Fleisch. 

Rituell opfern und online spenden 

Wer es sich leisten kann, besorgt ein Tieropfer. Dazu tun sich meistens verschiedene Familien zusammen, denn ein ganzes Tier zu kaufen ist teuer. Anders als von einigen Medien dargestellt, spielt das sogenannte „Schächten“, also das rituelle Schlachten von Tieren, in Deutschland kaum eine Rolle – es ist aus Tierschutzgründen verboten. Unter sehr strengen Auflagen kann das Veterinäramt eine Ausnahmeregelung erteilen – und selbst dann dürfen nur Fachleute in zugelassenen Betrieben rituell schlachten. Manche Muslime in Deutschland verzichten auf das Tieropfer (Kurban) und spenden stattdessen lieber Geld für Bedürftige oder kaufen ihnen ein Kurban. Das geht mittlerweile sogar online.

Schon gewusst?

Während in vorwiegend muslimischen Ländern die Geschäfte geschlossen bleiben, ist Eid al-Adha in Deutschland kein gesetzlicher Feiertag. Aber muslimische Kinder können sich zum ersten Tag des Fests vom Unterricht befreien lassen.

In Bundesländern wie Hamburg oder Bremen, wo es Staatsverträge mit den muslimischen Religionsgemeinschaften gibt, ist das sogar gesetzlich geregelt. Deutschlandweit sind Lehrer angewiesen, zum Opferfest keine Klassenarbeiten zu schreiben oder sonstige Leistungsnachweise zu verlangen.

Kinder mit Schulranzen


Vielfalt macht uns stark! Die Beitragsreihe „Deutschland feiert...“ zeigt, zu welchen Anlässen Menschen in Deutschland ihre Freude ausdrücken. Mit dem Reinhard Mohn Preis 2018 zeichnet die Bertelsmann Stiftung besonderes Engagement für eine freie und vor allem tolerante Gesellschaft aus.