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Bertelsmann Stiftung

Ein Mannschaftsfoto des ESV Neuabing. Arne Weychardt

Integration

Dieses Mannschaftsfoto zeigt 22 Lebensgeschichten: Hier sind drei

  • Gero Günther
  • Arne Weychardt
  • München
  • Dezember 2016

Im Münchner Verein ESV Neuaubing spielen Flüchtlinge und Deutsche zusammen Fußball. Für viele ist der Sport ein wichtiger Halt im Leben. Er hilft, die Vergangenheit zu verarbeiten, neuen Mut zu fassen – und sich besser in Deutschland zurechtzufinden. Wir haben die Lebensgeschichten von drei Spielern aufgezeichnet:

Mannschaftsfoto des ESV Neuabing.
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Mabel Eyob

Geboren in: Eritrea. Position: Stürmer.

Wie alt Mabel Eyob genau ist, weiß er selbst nicht ganz genau: "In Eritrea auf dem Land ist das nicht so wichtig." Sicher ist, dass Eyob 2013 sein Land verließ. Seine Geschichte ist dramatisch. Ohne dass er Gründe genannt bekam, wurde der junge Mann ins Gefängnis geworfen. Ein Jahr lang verbrachte er in verschiedenen Verließen des eritreischen Willkür-Regimes. "Die Sonne sah ich nur morgens für ein paar Minuten im Gefängnishof", berichtet Eyob. Es gab kaum etwas zu essen. Später musste er als Zwangsarbeiter an einem Staudamm-Projekt schuften, ehe er schließlich militärisch ausgebildet wurde, um auf unbegrenzte Zeit als Soldat zu dienen.

Da floh der Eritreer zunächst durch Äthiopien, dann in den Sudan. Professionelle Banden griffen ihn dort auf, um Lösegeld zu erpressen. Weil seine Eltern kein Geld gehabt hätten, um ihn freizukaufen, habe er die gefährliche Flucht durch die Wüste gewagt, erzählt Eyob. In Libyen wurde er mehr als sieben Monate von Soldaten festgehalten, ehe er auf einem Boot nach Italien fliehen konnte.

Heute lebt Eyob mit zwei anderen Eritreern in einer Wohnung im Münchner Stadtteil Moosach. Er besucht eine Schule für Flüchtlinge, versucht, seine Deutschkenntnisse aufzubessern und möchte den qualifizierenden Hauptschulabschluss machen. Vor kurzem wurde auch sein Bruder auf der Flucht entführt und konnte nur mithilfe deutscher Unterstützer für mehrere Tausend Euro freigekauft werden.

In Eyobs Zimmer hängen eine Welt- und eine Deutschlandkarte, ein Regelkatalog, den sein Trainer für ihn aufgestellt hat, und ein Plakat seines Idols, des ivorischen Stürmer-Stars Didier Drogba.

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Ali Rezai

Geboren in: Afghanistan. Position: Stürmer.

"Wenn ich über Afghanistan spreche, muss ich weinen", erzählt Ali Rezai. 2008 wurde sein Vater, ein Lebensmittelhändler aus der Volksgruppe der Hazara, auf offener Straße von den Taliban ermordet. Seine Mutter floh daraufhin in den Iran. "Aber auch dort war es schwierig für uns, und wir mussten stets Angst haben, abgeschoben zu werden." Schließlich beschloss Rezais Mutter, ihren Sohn nach Europa zu schicken.

Schleuser brachten ihn zusammen mit 100 anderen Afghanen in die Türkei. Zu Fuß überquerten sie das verschneite Grenzgebirge. Eine Woche lang dauerte der Marsch. Dann ging es auf einem Boot weiter nach Griechenland. Versteckt unter einer Ladung Orangen erreichte er schließlich in einem LKW Italien. Von dort ging es mit dem Taxi nach Deutschland.

Über ein Jahr lang blieb Rezai ohne Arbeit, Schule oder Deutschkurs. Keine einfache Zeit. Seitdem er in einem Drogeriemarkt arbeitet, geht es dem Afghanen besser. Sein Deutsch verbesserte sich durch die Arbeit rasant und er fand Freunde. Fußball spielt Ali Rezai mit großer Begeisterung und gehörigem Ehrgeiz. "Der Verein ist super", lobt er den ESV Neuaubing. "Ich werde immer für ihn da sein, wenn man mich braucht."

Doch obwohl er nun endlich angekommen ist, droht Rezai neues Ungemach: Er kämpft gegen seine Abschiebung. Mithilfe von psychiatrischen Gutachten soll der junge Mann belegen, dass eine Rückkehr nach Afghanistan für ihn unzumutbar ist.

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Amar Omar Jado

Geboren in: Irak. Position: Innenverteidiger, Kapitän.

Amar Omar Jado stammt aus den Kurdengebieten im Norden Iraks. Fußball spielt er seit seinem achten Lebensjahr. "Schon in Kurdistan war Fußball mein wichtigstes Hobby", sagt der Kapitän und Innenverteidiger der ersten Mannschaft des ESV Neuaubing.

Der Jeside verlor mehrere Familienangehörige durch Angriffe der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Schließlich sah er in seiner Heimat keine Perspektive mehr. Eine höhere Schule gab es nur im irakischen Mossul, das bald eine Hochburg des IS wurde. So floh Jado auf verschlungenen Wegen nach Europa.

In Deutschland landete er in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften. Die Behandlung fand er stets "ok", auch als er sich das Zimmer mit vier anderen jungen Männern teilen musste. Jado absolvierte acht Monate lang Sprachkurse und begann danach eine Ausbildung bei "Kaufhof", wo er heute als Einzelhandelskaufmann arbeitet. "Mein Leben in Deutschland war eigentlich immer ziemlich reibungslos", meint der junge Mann, der inzwischen eine eigene Wohnung hat. "Ich bin hier nie dumm angemacht worden."

Jado wirkt zufrieden und ausgeglichen. "Ich freu mich immer auf das Training", sagt der ebenso ehrgeizige wie eloquente 22-Jährige. "Was uns am dringendsten in der Mannschaft fehlt, sind gute Stürmer." In der Zukunft würde er gerne eine Kindermannschaft coachen.