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Ein Mädchen mit braunen Haaren sitzt auf einer Treppe und sieht traurig aus. Adobe Stock / pololia

Kinderarmut in Deutschland

Auf diese 5 Dinge müssen finanziell benachteiligte Kinder verzichten

  • change-Redaktion
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  • Gütersloh
  • Februar 2018

Jedes vierte Kind in Deutschland ist von Armut betroffen. Das bedeutet Verzicht auf Dinge, die für andere selbstverständlich sind. Dabei sind diese 5 Bereiche für die Entwicklung essentiell.

Wer hierzulande arm ist, hat in der Regel trotzdem ein Dach über dem Kopf und kann sich satt essen. Klingt deshalb halb so wild, ist aber gerade für Kinder fatal: Sie müssen in dieser kritischen Entwicklungsphase auf vieles verzichten, was für Gleichaltrige dazugehört.

Ein Mann zeigt einen leeren Geldbeutel.

Armut in Deutschland – was heißt das eigentlich?

In der Bundesrepublik leben innerhalb von fünf Jahren rund 21 Prozent aller Kinder dauerhaft oder für wiederkehrend in finanzieller Unsicherheit. Weitere 10 Prozent sind kurzzeitig betroffen. Besonders häufig machen Kinder von alleinerziehenden oder geringqualifizierten Eltern Armutserfahrungen, ebenso wie Kinder mit zwei oder mehr Geschwistern.

Die Bertelsmann Stiftung erforscht die Umstände, in denen finanziell benachteiligte Kinder in Deutschland leben. Als arm gelten dabei die Familien, die mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens auskommen müssen oder staatliche Grundsicherung beziehen. Für Eltern mit zwei Kindern wären das weniger als 1.961€, einschließlich Kindergeld.


(Bild: Adobe Stock / slasnyi)


Wie ein enges Budget Familien im Alltag einschränkt, ist schwer greifbar. Dabei beginnt soziale Ungleichheit schon in den Kinderschuhen und wirkt sich häufig auf das gesamte Leben aus. Was haben Kinder, die in Armut leben, also tatsächlich nicht?

1. Mehr als nur das Nötigste

Markenklamotten und das neuste Handy gehören nicht zum Grundbedarf. Wer aber von klein auf nur Gebrauchtes aufträgt, erfährt häufig Hänseleien oder Ausgrenzung. Und fehlt es an wetterfester Kleidung, werden Kinder schneller krank.

 2. Raum, sich zu entfalten

Auch arme Familien haben meist eine Wohnung mit Strom und warmem Wasser. Woran es mangelt, ist der Platz. Kinder müssen sich hier häufig ein Zimmer mit ihren Geschwistern teilen. Das kann sich schnell auf Erfolge in der Schule auswirken: Wer keinen Rückzugsort hat, kann sich schwerer auf Hausaufgaben konzentrieren oder für den nächsten Schultag ausruhen. In der Regel bietet auch das Wohnumfeld weniger Möglichkeiten für den Ausgleich – Gärten und Parks zum Entspannen und Spielen sind seltener benachbart.

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3. Sicherheit

Wenn ein Schulausflug ansteht, die Brille herunterfällt oder die Waschmaschine streikt, fallen Kosten an. Finanziell gesicherte Familien können darauf reagieren – für benachteiligte Kinder hat das Konsequenzen. So kann eine finanzielle Durststrecke den Zugang zu Gesundheitsleistungen oder saubere Kleidung kosten. Auch können arme Familien weniger für die Zukunft ihrer Kinder beiseitelegen.

4. Bildung und Gemeinschaft

Lehrer gehen heute davon aus, dass Schüler auch zu Hause Zugang zum Internet haben und testen digitale Unterrichtsmethoden. Gerade auf dem Land sind Kinder zudem auf ein Auto der Eltern angewiesen, um das Fußballtraining oder den Musikunterricht zu besuchen. Doch weder ein PC, noch ein Auto steht jeder Familie zur Verfügung.

5. Freizeit und soziale Kontakte

Freunde zum Essen nach Hause einladen, einen Kino- oder Theaterbesuch mit Freunden genießen, in den Urlaub fahren – das bleibt sozial Benachteiligten oft verwehrt. Dabei sind gerade diese Erlebnisse für die Entwicklung von Kindern besonders wichtig.

Höchste Zeit, dass sich etwas ändert! Anette Stein erklärt, was wir gegen Kinderarmut tun können.

Mehr dazu? Die Bertelsmann Stiftung forscht an den Ursachen und Folgen von Kinderarmut in Deutschland. Hier geht’s zur aktuellen Studie.