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change Magazin – Das Magazin der Bertelsmann Stiftung

Auf dem Weihnachtsmarkt mit Suzanna und Yaman aus Syrien

Die Syrer Yaman Swaida und Suzanna Alkotaish auf dem Weihnachtsmarkt.

Gebrannte Mandeln? „Kot von Engeln“! Auf dem Weihnachtsmarkt mit Suzanna und Yaman aus Syrien

Der Weihnachtsmarkt gehört für viele Deutsche zur Winterzeit dazu. Doch wie ist es, wenn man ihn zum ersten Mal besucht? Wir haben Suzanna (28) und Yaman (18) auf einen Glühwein eingeladen.

Als wir Suzanna, die vor zwei Jahren aus Damaskus nach Deutschland kam, gebrannte Mandeln zum Probieren reichen, muss sie lachen. „Die gibt es bei uns auch“, sagt sie. Auf Arabisch hießen sie wörtlich übersetzt aber „Kot von Engeln“.

Worüber sich Yaman am meisten wundert, ist der Glühwein. „Da ist ja Zucker drin. Ist das nicht gefährlich?“, will er von uns wissen. Alkohol trinkt er aber gerne ab und zu. In den vier Monaten, die er in Deutschland verbracht hat, wurde er oft danach gefragt. „Meine Familie und ich sind aber gar nicht religiös. Nicht alle Syrer sind es.“

Was denken Flüchtlinge eigentlich über Weihnachten?

Wir wollten wissen, wie das deutsche Weihnachten aus der Sicht von Geflohenen wirkt. Deshalb haben wir uns mit Suzanna und Yaman auf dem Weihnachtsmarkt getroffen.

Was sie an den Feiertagen in Deutschland besonders kurios finden, wie sie selbst feiern möchten und was sie sich zu Weihnachten wünschen, erzählten sie uns im Video-Interview.


Auch in Syrien gibt es Christen

Dass alle Menschen aus Syrien, die bei uns Zuflucht vor dem Krieg suchen, Muslime sind, ist ein häufiger Irrglaube. Auch Suzanna gehört zur christlichen Minderheit, die etwa zehn Prozent der syrischen Bevölkerung ausmacht. Die meisten Christen leben dort im Raum von Damaskus, Homs und Aleppo.

Weihnachten kennt Suzanna deshalb schon aus der Heimat. Traditionell besucht ihre Familie jedes Jahr gemeinsam die Kirche. Ein beliebtes Festmahl nennt sich Rosto, es ist in Wein gekochtes Schweinefleisch. „Nur Weihnachtsmärkte gibt es in Syrien nicht, das ist neu“, sagt sie. Dafür schmücke man dort mit viel mehr Lichtern.

Gerade zu dieser Zeit vermisst Suzanna ihre Familie jedoch sehr. Dieses Jahr wird sie mit ihrem Mann und guten Freunden wie Yaman feiern.

Von den Deutschen fühlen sich die beiden dabei häufig missverstanden. „Viele wissen gar nicht, dass wir einfach nur nach Hause wollen“, sagt Yaman. Auf sein erstes Weihnachten in Deutschland kann er sich trotzdem freuen.

Suzanna schreibt regelmäßig für uns darüber, wie es ihr in ihrem neuen Leben in Deutschland ergeht. Hier geht’s zur aktuellen Kolumne über deutsch-syrische Patenschaften.