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change Magazin – Das Magazin der Bertelsmann Stiftung

Ausbildung mit Sinn: Fünf gute Gründe, jetzt Altenpfleger*in zu werden

Eine Frau lächelt und macht mit ihren Fingern einen Rahmen Adobe Stock/contrastwerkstatt

Ausbildung mit Sinn: Fünf gute Gründe, jetzt Altenpfleger*in zu werden

  • Adobe Stock/contrastwerkstatt
  • 07. September 2018

Eigentlich eine tolle Nachricht: Die medizinische Versorgung in Deutschland ist gut, unsere Lebenserwartung steigt. Doch im Alter sind Menschen oft auf Hilfe angewiesen. Gerade hier können junge Leute echt etwas bewegen.

Altenpfleger*in ist ein Job mit Sinn – und man wird dringend gebraucht. Denn in Deutschland herrscht Pflegenotstand. Oft dauert die Suche nach einem Pflegeplatz lang, denn sowohl den Heimen als auch den ambulanten Diensten fehlt es massiv an Personal. Lange Zeit galt eine Ausbildung in der Altenpflege als unattraktiv – stressig, gesundheitlich belastend und schlecht bezahlt. Doch in der Politik bewegt sich was

Nicht nur, dass in der Altenpflege bald flächendeckend Tariflohn gezahlt werden soll – auch Ausbildungsprämien werden diskutiert. Und es gibt noch mehr Gründe, warum ein Job als Altenpfleger*in die richtige Wahl ist. change hat die fünf wichtigsten zusammengestellt:

1. Sicherer Arbeitsplatz mit gutem Gehalt

Altenpfleger*innen werden dringend gebraucht. Derzeit fehlen rund 38.000 Fachkräfte. Und eine Besserung ist nicht in Sicht: Bis 2030 könnten 168.000 qualifizierte Pflegekräfte fehlen. Die Aussicht, den einmal gefundenen Job zu behalten, ist also sehr gut. Schon zu Beginn der Ausbildung verdient man über 1.000 Euro, wenn man ausgelernt hat im Schnitt 2.744 Euro. Je nach Region variiert die Bezahlung aber stark. Hier muss sich noch viel verbessern. Doch der Spielraum in Bewerbungsgesprächen ist groß – wo Personalmangel herrscht, ist die eigene Verhandlungsposition gestärkt. Darüber hinaus könnten Anreize wie betriebliche Rentenversicherungen dazu beitragen, die Unterschiede in der Bezahlung abzufedern. 

2. Flexible Arbeitszeiten und Aufstiegschancen

Die Arbeit von Pflegekräften ist oft fordernd, viele arbeiten im Schichtdienst. Das kann aber auch etwas Gutes haben. Richtig organisiert lassen sich so Familie und Beruf gut vereinbaren. Ähnlich sieht es bei den verschiedenen Stundenmodellen aus: Die meisten Pflegeträger verlangen Teilzeitarbeit und bieten flexible Stundenzahlen an. Je nach eigenem Lebensentwurf kann das mehr oder weniger gut passen. Daher sollte man vor der Berufswahl genau planen, ob solche Arbeitsmodelle für einen geeignet sind.

Weiterbildung gehört zur Altenpflege unbedingt dazu und wird von vielen Arbeitgeber*innen aktiv unterstützt. Hier ist aber noch viel Luft nach oben. Beispielsweise gibt es noch keine bundeseinheitlichen Standards für Weiterbildungen. Wer noch höher hinaus will, kann auch Pflegeberater*in werden oder ein Pflegefach studieren.

3. Bewegende Momente

Das Konzept der ganzheitlichen Pflege gewinnt an Bedeutung. Als Altenpfleger*in hilft man nicht nur bei körperlichen Gebrechen, sondern auch geistig und psychisch. Sicherlich kann nicht jeder damit umgehen, aber wer Freude daran hat, mit alten Menschen zu arbeiten, für den ist der Job sehr bereichernd. Die Lebensgeschichten der Pflegebedürftigen kennenzulernen, ihnen zuzuhören und ihre Erfahrungen zu teilen, kann sehr bewegen. Man begleitet alte Menschen oft in den letzten Tagen ihres Lebens und hat das gute Gefühl, ihnen ihre Zeit zu verschönern.

4. Herausforderungen meistern

Als Altenpfleger*in unterstützt man Menschen, die auf einen angewiesen sind – beim Anziehen, Waschen, Essen, oft bei der gesamten Tagesgestaltung. Das ist körperlich anstrengend und oft fallen auch Überstunden an. Jeder Tag bringt große Herausforderungen mit sich. Das spiegelt sich auch in der relativ hohen Abbruchquote der Altenpflege-Ausbildung wider. Daher sollte man sich gut überlegen, ob man den Herausforderungen des Pflegeberufs gewachsen ist.  Die Anerkennung und das Gefühl, etwas Sinnvolles und Wichtiges zu tun, macht Altenpfleger*in jedoch zu einer sehr dankbaren Aufgabe. Damit die körperliche Überlastung nicht Dauerthema bleibt, müssen Altenpfleger*innen gesundheitlich besser gefördert werden. Hier ist die Politik gefragt. Aber auch technische Innovation kann dazu beitragen, Altenpfleger*innen zu entlasten.

5. Teamplay und Selbstverantwortung

Die Arbeit als Altenpfleger*in ist sehr vielseitig und abwechslungsreich. Es gibt jeden Tag etwas dazuzulernen. Gerade in der stationären Pflege arbeitet man in einem gut eingespielten Team, hat aber auch ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Zwar kämpfen Altenpfleger*innen vielerorts noch mit starren Hierarchien, aber das Verständnis von Arbeitsorganisation befindet sich im Umbruch.

Alles ganz schön komplex? Es gibt sicherlich Branchen, die einen besseren Ruf haben. Dem Fachkräftemangel in der Altenpflege sollte nicht nur durch mehr, sondern auch durch das passende Personal und durch Verbesserungen der Arbeitsbedingungen begegnet werden. So würde der Beruf auch für viele Berufseinsteiger*innen attraktiver. Aber was gibt es konkret zu tun? Die Bertelsmann Stiftung hat Strategien gegen den Fachkräftemangel entworfen. Den Endbericht und das Themenpapier gibt es hier.